Das Fest der heiligen Koryphäen unter den Aposteln Petrus und Paulus

 

Am 29. Juni feiert die Kirche das Fest der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Dieses Fest wird in der Kirche ebenso hochgeschätzt wie die Feste des Herrn, obwohl es nicht zu den zwölf Hauptfesten gehört.

Die heiligen Apostel Petrus und Paulus, mit deren Fest das sogenannte Petrus- oder Apostelfasten endet, setzten gemeinsam das Werk des Herrn fort. Aber sie waren sehr verschieden. Petrus war verheiratet, Paulus jedoch nicht. Petrus begleitete Christus seit Beginn Seines Wirkens, Paulus hat Ihn nicht einmal gesehen. Petrus hat unter den Juden gepredigt, Paulus ging zu den Heiden (abgeleitet vom griechischen Wort θνος (éthnos) = die (nichtjüdischen) Völker). Unter den Schriften des Neuen Testamentes finden wir nur zwei Petrusbriefe. Paulinische Briefe sind uns vierzehn überliefert.

Gemeinsam ist diesen beiden großen Menschen der Märtyrertod für Christus, der ihre Liebe zum Erlöser voll und ganz bestätigt.

Der heilige Apostel Paulus (sein jüdischer Name war Saulus nach dem jüdischen König aus den alten Testament) hielt sich, wie bekannt ist, für den geringsten der Apostel; unwürdig, zum Kreis der heiligen Aposteln zu gehören. Aber gerade er wurde vom Herrn selbst ausgewählt und berufen, als er nach Damaskus zog, um dort die Christen zu verfolgen. Durch seine Missionsreisen verbreitete sich die Kirche bis an die Grenzen der römisch- griechischen Welt und durch seine Nachfolger dann auch bis zu den barbarischen Völkern (mit dem griechischen Wort βάρβαρος, bárbaros, Plural βάρβαροι, bárbaroi wurden im antiken Griechenland alle Menschen bezeichnet, die nicht (oder nur schlecht) griechisch sprachen. In der griechisch- römischen Antike verstand man unter dem Begriff „Barbaren“ die Menschen, die nicht zum antiken römisch- griechischen Kulturkreis gehörten). Die Briefe des heiligen Apostels Paulus sind für uns Christen ein sehr bedeutender Teil der Heiligen Schrift.

Der heilige Apostel Petrus war der Sprecher der Jünger Christi, die Ihn während Seines irdischen Lebens begleiteten. Deshalb wurde der heilige Petrus, genau wie Paulus, von der Kirche mit dem Ehrentitel Koryphäe oder Fürst der Apostel ausgezeichnet. Während der Zeit des irdischen Wirkens Christi nahm der heilige Petrus Seine göttliche Lehre auf und hörte die heiligen Worte seines Evangeliums, das erfüllt war von Liebe zu allen Menschen. So bekannte er dann auch im Namen aller Jünger: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes”, wofür ihn der Herr selig gepriesen hat. Wir erinnern uns an die dreimalige Verleugnung Christi durch Petrus, aber auch an das dreimalige Bekenntnis seiner Liebe zu Christus. Aus den Evangelien wissen wir, dass der Herr gerade ihn mit den heiligen Aposteln Jakobus und Johannes mit auf den Berg Tabor genommen hat und sie dort gewürdigt hat, das nicht geschaffene Licht Seiner göttlichen Herrlichkeit zu sehen. Der heilige Apostel Petrus, den uns die heiligen Evangelien schildern, war eine höchst tempramentsvolle und manchmal auch widersprüchlichere Persönlichkeit. Aber in der Lebendigkeit und Tiefe seiner Christusnachfolge ist er bis heute ein stets gültiges Vorbild für ein gelingendes Christenleben.

 

Christus rettet den im See von Genezareth versinkenden Apostel Petrus
Christus rettet den im See von Genezareth versinkenden Apostel Petrus

 

Troparion im 4. Ton:

Ihr Apostelfürsten und Lehrer des Erdkreises, / bittet den Herrscher des Alls, // der Welt Frieden und unseren Seelen Sein großes Erbarmen zu schenken.

Kontakion im 2. Ton:

Die starken und gotterfüllten Verkünder, / die ersten der Apostel, hast Du, Herr, aufgenommen in die Wonne Deiner Güter und in Deine Ruhe. / Denn ihre Leiden und ihren Tod hast Du mehr als jedes irdische Opfer angenommen, // der Du allein die Herzen kennst.

 

Zusammengefaßt von Thomas Zmija-Horjanyj nach Andreij Lorgus, Michail Dudko, Orthodoxes Glaubensbuch. Eine Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der Russischen Orthodoxen Kirche, Verlag Der Christliche Osten Würzburg 2002.