…zu viele Leute beginnen mit Begeisterung zu fasten, um

dann bei dem ersten Schwachwerden aufzugeben. Ich würde sagen, die wahre Prüfung fällt genau mit diesem

ersten Fall zusammen: wenn wir uns, nachdem wir schwach geworden waren und unseren Begierden und Leidenschaften freien Lauf gelassen hatten, wieder mutig an die Aufgabe machen, ohne aufzugeben, egal, wie häufig wir schwach werden, dann wird früher oder später unser Fasten geistige Früchte tragen, gleichgültig, wie häufig wir vorher schwach geworden sind.

Zwischen der Heiligkeit und dem Zynismus ist Platz für die große und göttliche Tugend der Geduld - der Geduld vor allem mit sich selbst. Es gibt keine Abkürzung, um zur Heiligkeit zu gelangen; für jeden Schritt vorwärts müssen wir den vollen Preis entrichten. Es ist deshalb besser und sicherer, mit einem Minimum, das gerade ein wenig über unseren natürlichen Möglichkeiten liegt, zu beginnen und unsere Anstrengung schrittweise zu vergrößern als zu versuchen, zu Beginn sehr hoch zu springen und sich beim Sturz zur Erde die Knochen zu brechen…


Erzpriester Alexander Schmemann. Auszug aus dem Buch "Die Große Fastenzeit - Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche".