Der Besuch von

 

Patriarch Bartholomeios

 

in Paris

 

 

Der Besuch Seiner Heiligkeit, Patriarch Bartholomeios, im Theologischen Institut Sainte Serge in Paris am 14. April 2011 bot einen willkommenen Anlass, sich jener Bande wieder einmal zu erinnern, die uns (die Erzdiözese) seit 1931 mit dem Ökumenischen Patriarchat verbinden. In der Tat fand der Besuch fast just am selben Tage statt, an dem vor 80 Jahren Seine Excellenz, Metropolit Sergej, als Locus Tenens der Vertreter des patriarchalen Thrones in Moskau, Seine Exzellenz, Metropolit Evlogij, aufgefordert hatte, zurückzutreten. Seine Excellenz, Metropolit Evlogij, war aufgefordert worden zurückzutreten, weil er an Gebetstreffen teilgenommen hatte, die sich um Beistand für die verfolgten Christen in der UdSSR bemühten. Deshalb unterstellte er sich in der Folge dem Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel. Patriarch Photios II teilte die Sichtweise von Seiner Exzellenz Metropolit Evlogij voll und ganz und unterstütze ihn diesbezüglich in jeder Weise. Er nahm ihn deshalb auch unter seine kirchliche Oberhohheit auf und bestellte ihn gleichzeitig zum Exarchen eines „vorläufigen Exarchates für die russischen Gemeinden in Westeuropa“. Dieser Status wurde durch die Ökumenischen Patriarchen Benjamin und Maximos bestätigt. Nach einer Periode der Unterbrechung in den Jahren 1965 bis 1971 wurde der Erzbischof wieder vom Ökumenischen Patriarchat in seine Rechte eingesetzt und dem Erzbistum als geeintem kirchlichen Organismus der Status der inneren Autonomie gewährt. (Tomos Seiner Heiligkeit, des Patriarchen Athenagoras vom 22. Januar 1971). Im Juni 1999 wurde dieser Status durch die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchates ausdrücklich bestätigt und durch die Wiederherstellung des Titels eines Exarchates erweitert. Seine Exzellenz, Erzbischof Gabriel, hat deshalb vollkommen zu Recht in Seiner Willkommensansprache an Seine Heiligkeit, Patriarch Bartholomeios festgestellt, dass „uns unsere kanonische Verbindung mit dem Ökumenischen Patriarchat die Communio mit der gesamten Orthodoxen Welt gewährleistet und wir deshalb hier in Frankreich, aber auch überall in Westeuropa, in segensreicher und brüderlicher Zusammenarbeit mit allen Orthodoxen Gemeinschaften leben können“. Bei seiner Ankunft in Saint Serge wurde Seine Heiligkeit, Patriarch Bartholomeios, auf das herzlichste durch die Versammlung der Orthodoxen Bischöfe in Frankreich und die Professoren des Institutes willkommen geheißen. Nach dem Hymnus an die Gottesmutter (Wahrhaft würdig ist es…) in der Kirche des heiligen Sergius hielt Seine Exzellenz, Erzbischof Gabriel, seine Willkommensansprache. In der Entgegnung des Patriarchen unterstrich Seine Heiligkeit die Notwendigkeit, die Orthodoxie im Rahmen des Institutes ausstrahlen zu lassen, zumal das Orthodoxe Theologische Institut auf Chalki keine türkische Genehmigung zur Aufnahme seiner Tätigkeit erhalten habe. Daran schloss sich in der großen Aula ein akademischer Festakt aus Anlass der Laudatio für die frisch publizierte ökumenische Bibelübersetzung in die französische Sprache an. Diese Übersetzung hat den Vorzug, dass sie zum ersten Mal alle Bücher des Alten Testamentes umfasst, wie sie im kanonischen Verzeichnis der orthodoxen Kirche aufgeführt sind. Fachleute unserer Kirche haben im Rahmen der Übersetzungstätigkeit und bei der Erstellung des Kartenmaterials, sowie bei der Erstellung der Einleitungen und Anmerkungen mitgearbeitet. Protestanten, Katholiken und Orthodoxe hatten sich in diese Arbeit eingeschaltet. Seine Heiligkeit, Patriarch Bartholomeios; schloss den Festakt mit der Feststellung, dass ein Ende des Abenteuers, die Heiligen Schriften zu übersetzen – ein Abenteuer das alle Christen gemeinsam sei – mit dieser neuen Übersetzung noch nicht in Sicht sei. Vielmehr würde sich dieses Aberteuer in der Suche nach einem vertieften Verständnis immer weiter fortsetzen. Nach dem akademischen Festakt nahm eine lebhafte Menge am Begrüßungsempfang des Institutes im Kirchengarten teil.

Willkommensansprache von Erzbischof Gabriel

anlässlich des Besuches des

Ökumenischen Patriarchen

am 14.04.2011

 

Eure Allheiligkeit,

Es ist eine große Ehre für uns, Sie in unserem theologischen Institut empfangen zu dürfen anlässlich Ihres Besuches in Paris und die neue Ausgabe der ökumenischen Übersetzung der Bibel vorzustellen. Wir sind höchst erfreut, Sie hier zu haben.

Sie kennen unsere Treue zum Ökumenischen Patriarchat seit Seine All Heiligkeit Photios II. meinen Vorgänger, in gesegnetem Gedenken, Metropolit Evlogios 1931 unter dem Omophorium des ökumenischen Patriarchates aufgenommen hatte. Unsere Verbindung mit dem Thron von Konstantinopel ist unentbehrlich für unsere Existenz, wie Sie wissen.

Alle Erklärungen meiner Vorgänger, seit dem mutigen Akt von Metropolit Evlogios 1931 zeigen, dass unsere kanonische Mitgliedschaft beim Ökumenischen Patriarchat uns die Gemeinschaft mit der gesamten Orthodoxen Welt garantiert, und das wir hier in Frankreich und überall in West-Europa in fruchtbarem und brüderlichem Miteinander mit allen Orthodoxen Gemeinden unserer Länder leben können.

Es ist das Herz der russischen Emigration, dass dieses theologische Seminar gegründet wurde, dank der Großzügigkeit der Gläubigen und der brüderlichen Hilfe unserer nicht-orthodoxen christlichen Brüder. Erlauben Sie mir Ihnen für Ihre väterliche Liebe und materielle Hilfe für dieses Institut zu danken. Dies Zentrum besteht für die theologische Ausbildung des orthodoxen Klerus. Vor allem für die pastoralen Nöte des Exarchates. Aber die Lehrerschaft hat auch zum ökumenischen Dialog beigetragen. Einige waren zum 2. vatikanischen Konzil eingeladen, und ihre Theologie beeinflusste oft die Dokumente des Konzils.

Eure Allheiligkeit, in heutiger Zeit ist unser Exarchat wirklich multinational geworden. Dank der russisch-orthodoxen Tradition, die von Metropolit Evlogios und seinen Nachfolgern vermittelt wurde, sind wir heute das, was wir sind. Wir sind alle in ihrer Schuld und sind alle die Verwalter von dem, was sie uns überlassen haben, nämlich das Erbe der russischen Tradition. Dies kommt zum Ausdruck in der Art die Liturgie zu zelebrieren, im Gesang, in der Ikonenmalerei, und dass wir im Rhythmus des Kirchenjahres leben. Ich drücke Ihnen gegenüber meinen Dank aus für die Achtung, die die große Kirche uns gezeigt hat. Unsererseits verpflichten wir uns, unsere pastorale Arbeit fort zu setzen unter dem Omophorium des Ökumenischen Patriarchates, welches nie versucht hat uns „griechisch“ zu machen, sondern uns die Freiheit lässt, unserer Berufung zu folgen: den Weg, eine lokale Kirche einzurichten, in Gemeinschaft im Gebet und in der Tat mit all den anderen orthodoxen Menschen in diesem Land.

Bevor ich ende möchte ich einige Worte von Olivier Clément in Erinnerung bringen: „Lasst uns versuchen zusammen zu arbeiten. Jeder Einzelne den Anderen mit seinem eigenen Erbe zu bereichern im Rahmen einer bescheidenen, offenen, evangelikalen Othodoxie, indem wir überzeugt sind, dass die lebendige Tradition kreativ sein muss.“ Ich möchte auch daran erinnern was der hl. Johannes von Kronstadt sagte: “Die Eucharistie ist ein andauerndes Wunder“. Wir können dasselbe von der Kirche sagen: Auch sie ist ein beständiges Wunder.

Bewundernd, was Gott uns anbietet und mit Dankbarkeit lasst uns die Augen des Herzens öffnen angesichts dieses Wunders, das ist die Kirche, alt und ehrwürdig und gleichzeitig allzeit immer jung, immer die Gleiche, aber ebenso immer neu.