14. Orthodoxer Kongress in Straßburg

Von Thomas Zmija von Gojan

 

Mit dem Segen der Versammlung der orthodoxen Bischöfe Frankreichs (AEOF) veranstaltet die „Fraternité orthodoxe en Europe occidentale“ vom 25. bis 28. Mai 2012 in Strasbourg den vierzehnten Orthodoxen Kongress in Westeuropa unter dem Thema „Die Wahrheit wird euch frei machen“.

Auch aus unserer Pfarrgemeinde in Albstadt machten sich Vater Michael, Matuschka Marina und, der Verfasser dieser Eindrücke, Thomas auf ins schöne Elsass. Bei strahlendem Frühsommerwetter ging unsere Reise über den Schwarzwald ins Rheintal und über Kehl nach Strasbourg. Am Freitagabend trafen wir in Strasbourg ein und wurden in einem schönen Tagungshaus der katholischen Erzdiözese Strasbourg untergebracht.

Gerade die Hilfe der katholischen und evangelischen Kirche im Elsass machte das Zustandekommen der Tagung überhaupt erst möglich, denn die katholische Kirche stellte der Fraternität die Klostergebäude und Kirche von St.-Etienne für die Gottesdienste, Vorträge und Mahlzeiten zur Verfügung und die evangelische Kirche im Elsass war mit ihrer Strasbourger Kirche St.-Thomas Gastgeber der sonntäglichen Pontifikalliturgie. Einer der gottesdienstlichen Höhepunkte war dann am Sonntagabend die Pontifikalvesper mit Metropolit Stephanos von Tallinn und Estland, zu der der katholische Erzbischof von Strasbourg die Orthodoxen in das Strasbourger Münster eingeladen hatte. So war diese orthodoxe Tagung durch die herzliche Gastfreundschaft der evangelischen und katholischen Mitchristen geprägt, die durch Grußworte herzlichen Anteil am Gelingen der Veranstaltung nahmen.

Besonders die Verknüpfung der Vorträge mit der Feier unserer orthodoxen Gottesdienste in französischer Sprache gab der Zusammenkunft ihren intensiven spirituellen Grundton. Damit verbunden war ein herzliches und intensives Kennenlernen von ungefähr 700 Orthodoxen aus den verschiedensten Ländern Westeuropas untereinander. Auch aus vielen orthodoxen Klöstern Frankreichs waren Vertreter nach Strasbourg gekommen. Von den orthodoxen Bischöfen Deutschlands war der rumänische Metropolit Seraphim aus Nürnberg anwesend. Gerade bei den gemeinsamen Mahlzeiten ergab sich die Möglichkeit zum Gespräch mit den Bischöfen, Priestern, Mönchen und Nonnen und den Gläubigen aus den verschiedenen Ecken Europas.

Der Göttlichen Liturgie am Samstagvormittag stand Seine Eminenz Metropolit Seraphim vor. Neben einem großen Chor, der in französischer Sprache die Gläubigen im Gebet während der Gottesdienste leitete, war auch aus der deutschsprachigen russisch-orthodoxen Gemeinde des hl. Christopherus in Mainz ein kleiner Chor anwesend, so dass Teile der Gebete auch in deutscher Sprache gesungen wurden.

Der Feier der Liturgie folgten dann sehr interessante Vorträge, die in der Regel in französischer Sprache vorgetragen wurden. Aber Dank der selbstlosen Anstrengungen eines hervorragenden Teams von Übersetzern wurden die Vorträge simultan ins Deutsche, Englische und Niederländische übersetzt. Über ein Headset-System, das am Eingang ausgeteilt wurde, konnte jeder den Vorträgen mühelos und mit persönlichem Gewinn folgen.

Und hier sind wir bei einem zweiten wichtigen Faktor für das Gelingen des Kongresses. Es gab eine Vielzahl von Helfern, die als Ansprechpartner, Übersetzer, Ordner und Koordinatoren mit ihrer unentgeltlichen, geduldigen Arbeit im Hintergrund das reibungslose Funktionieren des Kongresses am Laufen hielten. Gerade die Jugendlichen der orthodoxen Gemeinden in Strasbourg haben sich hier in bewundernswerter Weise engagiert. All diesen Helfern gilt an dieser Stelle mein herzliches Vergelt´s Gott.

Einen kleinen Einblick in das Vortragsprogramm mag die Nennung der Vortragenden und ihrer Referate bringen:

 

Dieser Liturgie folgte das gemeinsame Mittagessen und am Nachmittag Vorträge und Workshops zu verschiedenen Themen. Diese Workshops waren nur in französischer Sprache, so dass die Teilnahme für einige von uns etwas mühsam war. Den Tag schloss die schon oben erwähnte Potifikalvesper im Strasbourger Münster ab, der Vladika Stephanos aus Estland vorstand. Der Montagmorgen begann mit einem Morgengottesdienst (Utrenja) in französischer Sprache, der noch einmal Vorträge und die Abschlussveranstaltung des Kongresses folgten.

Als Resümee möchte ich gerne die Teilnahme an diesen Kongressen den orthodoxen Gläubigen in Westeuropa ans Herz legen. Mir hat dieser Kongress in Strasbourg einen Blick auf eine Vision ermöglicht, wohin die Pilgerreise unserer orthodoxen Gemeinden in den Ländern Westeuropas in den nächsten Jahrzehnten gehen kann.

Der letzte Kongress von Strassburg war im Jahre 2009 in Amiens. Der nächste orthodoxe Kongress wird in drei bis vier Jahren stattfinden. Der genaue Zeitpunkt und Ort stehen momentan noch nicht fest.