Der heilige Bischof Rafael (Hawaweeny) von Brooklyn

 

von Nikolaj Thon

Die Bedeutung dieser Kanonisation

Seit etwa hundert Jahren verwurzelt sich die Orthodoxe Kirche auch außerhalb ihres alten „Stammgebietes“ im Vorderen Orient, Ost- und Südosteuropa. Anders gesagt: Aus der „Ostkirche“ ist mehr und mehr eine weltumspannende Kirche geworden, denn orthodoxe Gemeinden, ja Bistümer gibt es heutzutage rund um den Erdball in nahezu allen bedeutenden Ländern.

Allerdings bedeutet eine Präsenz, selbst eine zahlenmäßig bedeutsame, von Immigranten ja noch keine echte Verwurzelung – und sicher galt noch für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, obwohl inzwischen bereits zahlreiche Orthodoxe vor allem im nördlichen Amerika, dann aber auch in Westeuropa und Australien lebten, dass sie ihre Kirche weniger als Teil der neuen Heimat, sondern als ein Band zur alten auffassten – dies umso mehr, als ja viele von ihnen nicht ganz freiwillig gekommen waren, sondern als „weißrussische“ Emigranten vor dem Bolschewismus in Russland nach dem verlorenen Bürgerkrieg 1917-1922 oder später 1944/45 als Flüchtlinge vor den neuen kommunistischen Regimen auf dem Balkan Zuflucht gesucht hatten. Auch etliche der griechischen Zuwanderer in die neue Welt waren als Flüchtlinge gekommen, nämlich nach der „kleinasiatischen Katastrophe“, als die kemalistische Türkei daran ging, die Spuren einer nahezu dreitausendjährigen griechischen Kultur in Kleinasien radikal auszurotten. So dauerte es eine ganze Weile, bis all diese Neubürger auch in ihrer Mentalität auf die neue Heimat einstellten.

Mit diesem Prozess begann zugleich die echte Verwurzelung der Orthodoxie in diesen Ländern – wohl am frühesten und stärksten in jenen, die sich positiv zu den Menschen stellten, die in ihr Land gekommen waren, sie akzeptierten und nicht noch jahrzehntelang im Status des „ausländischen Mitbürgers“ verharren, sondern zu echten Bürgern werden ließen. Auf diesem Wege waren und sind die Vereinigten Staaten von Amerika sicher schon lange einige Schritte denen voraus, die immer noch auf einem blutsmäßig begründeten Staatsbürgerschaftsrecht beharren.

Eine direkte Folge davon ist, dass sich die neuzugewanderten Bürger auch gefühlsmäßig der neuen Heimat verbunden wissen, dass sie Amerikaner, wenn auch arabischer, griechischer, russischer oder welcher Herkunft auch immer, sein können, wenn sie es wollen. Aus diesem Bewusstsein heraus hat sich in den letzten fünfzig Jahren eine starke orthodoxe Kirche in Amerika entwickelt, die zwar noch in verschiedene organisatorische Einheiten aufgegliedert ist, welche zumeist in administrativer Hinsicht noch an die jeweiligen Heimatkirchen gebunden sind, aber mehr und mehr auch übergreifende Strukturen und vor allem ein übergreifendes Selbstverständnis entwickeln.

Einen weiteren Schritt auf diesem Weg der vollständigen Integration in die amerikanische Gesellschaft und hin zur einer mit großer Wahrscheinlichheit in absehbarer Zeit kommenden autokephalen oder zumindest autonomen amerikanischen Orthodoxen Kirche, die alle Amerikaner orthodoxen Glaubens umfassen wird, stellt eine Kanonisierung zu Beginn des neuen Milleniums dar: Bei ihrer Frühjahrssitzung vom 27.-30 März 2000 beschloss die Bischofssynode der „Orthodoxen Kirche in Amerika (OCA)“, die in den USA, in Kanada und anderen Ländern Amerikas rund 2 Millionen Gläubige in mehr als 2000 Gemeinden umfasst, einstimmig „den ewigen Gedenkens würdigen Bischof Raphael (Hawaweeny) dem Chor der Heiligen zur Verehrung durch die Gläubigen zuzuzählen“.

Es handelt sich dabei um die Kanonisation des ersten in Amerika geweihten orthodoxen Bischofs, nämlich des geborenen Arabers Raphael Hawaweeny. Zugleich setzten die Bischöfe den 27. Februar als seinen zukünftigen Festtag fest und riefen auch die anderen autokephalen orthodoxen Kirchen dazu auf, den neuen Heiligen in ihre Kalendarien zu übernehmen.

Die eigentliche Feier der Kanonisierung fand am 28./29. Mai im Kloster des hl. Tichon in South Canaan (Pennsylvania) unter Vorsitz des damaligen Ersthierarchen der OCA, Metropolit Theodosius von New York, gemeinsam mit dem Vorsteher der Polnischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, Metropolit Sawa von Warschau, und anderen Bischöfen orthodoxer Kirchen statt.

Der neue Heilige ist ein schönes Beispiel für den Weg orthodoxer Zuwanderer schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und ihre Integration in die amerikanische Gesellschaft, die auch ihr eigenes Bewusstsein hin zu einem immer stärkeren Empfinden für die Einheit aller Orthodoxen in der neuen Heimat verändert.

Kindheit und Jugend

Hawaweeny wurde 1860 in Beirut von Eltern syrischer Herkunft geboren, und zwar als Sohn von Michael Hawaweeny und dessen zweiter Frau Mariam, der Tochter eines Priesters aus Damaskos. Seine Eltern hatten auf Grund der damaligen dortigen Christenverfolgungen Syrien verlassen müssen und waren nach Beirut geflohen. Das genaue Datum der Geburt des zukünftigen Heiligen ist unbekannt; es dürfte aber in der Nähe seines Namenstages, dem Fest der Synaxis der hll. Erzengel, am 8. November gelegen haben, da es üblich war, den Kindern die Namen von Heiligen zu geben, deren Fest entweder direkt mit dem Heiligengedenktag zusammenfiel oder zumindest in der Nähe lag. Getauft wurde er jedenfalls am Fest der Theophanie 1861, und zwar auf den Namen Rafael (Rafla) und noch in Beirut, denn erst im Herbst des Jahres konnte seine Familie nach Damaskos zurückkehren. Dort besuchte er die Grundschule, konnte dann aber die schulische Ausbildung erst nicht fortsetzen, da sein Vater nicht mehr in der Lage war, die Kosten dafür aufzubringen. Doch dank der Hilfe des damaligen Diakons Athanasios Atallah, des späteren Metropoliten von Holms, fand sich ein Ausweg, denn dieser empfahl Patriarch Hierotheos von Antiocheia (1850-1884) den jungen Rafla als Studenten beim Patriarchat mit dem Ziel, Priester zu werden.

Geistliche Ausbildung

Rafla erwies sich als ein so guter Schüler, dass er schon 1877 in den jüngeren Klassen selbst als Hilfslehrer tätig werden konnte. Im folgenden Jahr wurde er zum Lehrer für Arabisch und Türkisch ernannt und am 28. März 1879 von Patriarch Hierotheos selbst zum Mönch geweiht und zu seinem persönlichen Zellendiener ernannt.

Da die eigentliche Ausbildungsstätte des Patriarchats von Antiocheia, das Seminar in Balamand, seit 1840 geschlossen war, hatte der Ökumenische Patriarch Joacheim III. das Patriarchat von Antiocheia eingeladen, begabte Studenten an die Hochschule nach Chalki zu schicken. Einer der Auserwählten war der junge Mönch Rafael. Am 8. Dezember 1885 wurde er nach Erreichen des kanonischen Alters von 25 Jahren in der dortigen Seminarkapelle zum Diakon geweiht und empfing im Juli des folgenden Jahres sein theologisches Diplom.

In die Heimat zurückgekehrt, begleitete er häufig den neuen Patriarchen von Antiocheia Gerasimos (1884-1891) auf seinen Reisen, wurde aber auch als reisender Prediger eingesetzt.

Da er das Gefühl hatte, seine theologische Bildung noch vervollkommnen zu sollen, bat er den Patriarchen um die Entsendung nach Russland. Inzwischen war es zu intensiven Kontakten zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und dem Patriarchat von Antiocheia gekommen, so dass ein russischsprachiger Sekretär sehr nützlich sein würde. Insofern gab der Patriarch schließlich seinen Segen und Mönchsdiakon Rafael wurde Student der Geistlichen Akademie in Kiev. 1889 ernannte ihn dann der Patriarch zum Leider der Antiochenischen Vertretung in Moskau. Im gleichen Jahr wurde er auf Bitten von Patriarch Gerasimos vom Rektor der Kiever Geistlichen Akademie, Bischof Silvestr, zum Priester geweiht und schon einen Monat später von Metropolit Ioannikij von Moskau zum Archimandriten erhoben und als Leiter der Vertretung seiner Kirche bestätigt. Schon in dieser Zeit erwies sich das Organisationstalent des jungen Geistlichen: Innerhalb von zwei Jahren gelang es ihm, die beträchtliche Verschuldung der Vertretung deutlich zu reduzieren und Ausbildugnsplätze für syrische Lehrer in Russland zu schaffen.

Kampf um die Patriarchenwahl

Als 1891 Patriarch Gerasimos resignierte, um den Sitz von Jerusalem zu übernehmen, den er dann fünf Jahre innehatte, sahen zahlreiche jüngere Geistliche und Gläubige arabischer Herkunft die Stunde gekommen, nach über 150 Jahren wieder einen Araber statt eines Griechen zum neuen Patriarchen von Antiocheia zu wählen. Archimandrit Rafael engagierte sich stark – sowohl durch persönliche Briefe an antiochenische Bischöfe und einflussreiche Kirchenmitglieder wie auch durch Artikel in der russischen Presse.

Doch waren seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt; vielmehr wurde im November 1891 ein griechischer Zypriote zum neuen Patriarchen gewählt – auf Grund von Bestechung, wie die arabische Seite behauptete. Da sich Archimandrit Rafael diese Version zu eigen machte und sich weigerte, den neuen Patriarchen Spyridon (1891-1898 ) beim Gottesdienst zu kommemorieren, wurde er suspendiert. Er unterwarf sich dem Zelebrationsverbot, schrieb aber weiter Artikel in russischen Zeitschriften über die „antiochenische Frage“. Erst ein gemeinsamer Vorstoß der vier Patriarchen des Orients beim russischen Kaiser verschloss ihm auch diese Möglichkeit, denn auf kaiserliche Anordnung wurde den russischen Periodika untersagt, sich mit dem Streit im Patriarchat Antiocheia weiter zu beschäftigen.

Nach einiger Zeit unterwarf sich Archimandrit Rafael dann aber seinem Patriarchen und erhielt zugleich die kanonische Entlassung zum Wechsel in die Jurisdiktion der Russischen Kirche. Er siedelte dann bald nach Kazan’ über, dessen Akademie sich besonders mit orientalischen und islamischen Studien zur Förderung der orthodoxen Mission unter Muslimen beschäftigte, und unterrichtete dort Arabisch.

Übersiedlung nach Amerika

Bald darauf, nämlich 1895, wurde Archimandrit Rafael von der Syrischen Orthodoxen Wohltätigkeitsgesellschaft in New York eingeladen, als Seelsorger für die dortige arabischsprachige orthodoxe Gemeinde in die Neue Welt zu kommen.

Am 2. November 1895 kam er in New York an und stellte sich dem russischen Bischof Amerikas Nikolaj vor. Schon zwei Wochen später hatte Archimandrit Rafael in Manhattan eine Platz für eine Kapelle gefunden, die er mit den Ausrüstungsgeständen ausstattete, die er aus Russland mitgebracht hatte. Bald sammelte er auch an anderen Orten die arabischsprachigen Orthodoxen, so dass er schließlich über 40 Gemeinden in den Staaten der Ostküste der USA gründete.

1896 unternahm er seine erste Pastoralreise durch den ganzen Kontinent und besuchte dreißig Stätte zwischen New York und San Francisco, vollzog Taufen und Trauungen, hörte Beichte und feierte die Liturgie in den Häusern der Gläubigen. Dabei wurde ihm klar, dass diese versprengt lebenden Menschen auch des geistlichen Trostes bedurften, wenn sie keinen Priester in ihrer Nähe hatten, und so stellte er sein erstes Buch in der Neuen Welt zusammen, ein arabisches Gebetbuch, das den Titel trug „Buch des wahren Trostes in den göttlichen Gebeten“ und 1898 mit dem Segen von Bischof Nikolaj erschien. Übrigens ist die spätere englische Übersetzung, die Archimandrit Seraphim Nassar erstellt hat, bis heute in Gebrauch.

Im Mai bis November 1898 unternahm Archimandrit Rafael eine zweite Pastoralreise, die ihn vollends überzeugte, dass eine Reihe von arabischsprachigen Geistlichen für die neu gegründeten Kirchen und Gemeinden gebraucht würden. Mit Zustimmung des Diözesanbischofs konnte er in den nächsten Jahren befähigte Geistliche aus Syrien für die Arbeit in der Neuen Welt gewinnen. Dabei blieben alle diese Gemeinden, auch wenn sie arabischsprachig waren, in der geistlichen Obhut der Russischen Orthodoxen Kirche. Ein besonderes Glück für das weitere Aufblühen der Orthodoxie in Amerika war, dass auch der Nachfolger von Bischof Nikolaj eine außergewöhnliche Persönlichkeit war, nämlich der damalige Bischof Tichon (Belavin), nach 1917 der erste Patriarch von Moskau im wiederhergestellten Patriarchat, der heute als Heiliger kanonisiert worden ist. Archimandrit Rafael begrüßte ihn als den Hirten, der „gesandt wurde, die Herde Christi zu leiten, Russen wie Slawen, Syro-Araber wie Griechen“.

In der Tat gab es damals noch keine verschiedenen Jurisdiktionen in Amerika, sondern lediglich eine ethnische Vielfalt der Orthodoxen, die aber alle von der Russischen Kirche betreut wurden. So feierte der sprachengewandte Vater Rafael Gottesdienste sowohl in Arabisch wie Griechisch, in Kirchenslawisch und bald auch in Englisch.

Bischofsamt

Nach erneuten inneren Auseinandersetzungen wurde 1899 in der Person von Metropolit Meletios (Doumani) seit 168 Jahren erstmals wieder ein Araber auf den Stuhl des hl. Petrus in Antiocheia gewählt. Schon bald wurde der Vorschlag geäußert, Archimandrit Rafael solle die Nachfolge auf dem Sitz des Metropoliten von Latakia antreten, doch er lehnte diese Berufung ebenso ab wie jene zum Vikarbischof des Metropoliten Gabriel von Beirut 1901 und sogar seine schon erfolgte Wahl zum Bischof von Zahleh im Dezember 1901.

Hingegen war er bereit, in Amerika einen bischöflichen Dienst zu leisten, als auf Vorschlag von Bischof Tichon der Heilige Synod der Russischen Orthodoxen Kirche 1903 beschloss, zum einen den Sitz der Diözese von Amerika von San Francisco nach New York zu verlegen, da die meisten Kirchen und Gemeinden im Osten der USA zu finden waren, und sodann die Diözese mit zwei Vikarbischöfen auszustatten. Der erste von ihnen, Innokentij (Pustynskyj), wurde in der Kazaner Domkirche in St. Petersburg zum Bischof geweiht; der zweite aber war Archimandrit Rafael, der nun den Titel eines Bischofs von Brooklyn erhielt und als Vorsteher der Syro-Arabischen Mission in Nordamerika bestätigt wurde – und er wurde am dritten fastensonntag 1904 in der Kathedrale des hl. Nikolaos in Brooklyn von den Bischöfen Tichon und Innokentij geweiht. Dies war die erste orthodoxe Bischofsweihe auf amerikanischem Boden – und wurde in Russland immerhin für so bedeutsam erachtet, dass Kaiser Nikolaj II. die liturgischen Gewänder des neuen Bischofs stiftete.

Bischof Raphael beschäftigte sich im Rahmen seiner missionarischen Arbeit auch weiterhin u.a. mit Übersetzungen und der Erstellung eines Gebetbuches für die arabischsprachigen Gläubigen. Er schrieb noch einige weitere Bücher und gründete die bis heute existierende orthodoxe Zeitschrift „Al-Kalimat – The Word“, die das offizielle Organ der Syro-Arabischen Mission wurde und in der viele, vielleicht sogar die meisten Artikel von ihm verfasst worden sind. Trotz aller Wertschätzung für die Traditionen der arabischsprachigen Christen betonte Bischof Rafael die Notwendigkeit, im Interesse der Kinder, die die alte Muttersprache vergessen hatten, zunehmend auch das Englische in der Katechese wie auch im gottesdienstlichen Leben zu gebrauchen.

Etliche Male war er in Stellvertretung für Bischof Tichon in diözesanen Angelegenheiten tätig. Besonders denkwürdig ist eine Konferenz des Klerus in Old Forge / Pennsylvania im Juli 1905, da an ihr vier Personen teilnahmen, die mittlerweise kanonisiert worden sind, nämlich außer Bischof Rafael die Priester Aleksandr Hotovickij und Ioann Kocurov, die später nach ihrer Rückkehr nach Russland unter der bolschewistischen Herrschaft zu Neumartyrern wurden, sowie Priester Alexis Toth, der heiligmäßige Missionar und Seelsorger der amerikanischen Orthodoxen.

1911 wurde Bischof Rafael erstmals von einer schweren Herzattacke heimgesucht, von der er sich aber noch einigen Wochen erholte, so dass er in den folgenden Jahren seinen pastoralen Dienst auf zahlreichen Reisen wieder ausüben konnte. 1915 aber musste er auf Grund erneuter Attacken im Hause bleiben und starb am 27. (14.) Februar des Jahres. Zu dieser Zeit zählte die arabische Mission dreißig Gemeinden mit etwa 25.000 Gläubigen.
Wie in der Resolution der Gemischten Synodalkommission, die aus Vertretern der OCA und der Antiochenischen Orthodoxen Christlichen Erzdiözese von Nordamerika (Patriarchat Antiochien) besteht und sich seit drei Jahren mit der Frage seiner Kanonisation beschäftigte, betont wird, „ist die Verehrung von Bischof Raphael nicht von der Hierarchie oder dem Klerus vorangetrieben worden, sondern hat sich spontan unter den Gläubigen entwickelt, die sie in das Leben der Kirche eingebracht haben“. Insbesondere unter den Gläubigen der antiochenischen Diözese sei die Verehrung des Heiligen sehr verbreitet: „Diese Verehrung ist noch stärker geworden, seit man vor zehn Jahren seine praktisch unverwesten Gebeine erhoben hat, die dann mit den Gebeinen anderer Bischöfe von den jeweiligen Friedhöfen in New York in das Antiochenische Dorf in Ligonier im Staat Pennsylvania übertragen worden sind“.
Mark Stokoe, ein bekannter Historiker zu Fragen des Wachsens der Orthodoxie in den USA, würdigte anlässlich der Kanonisation in einem Gespräch mit dem Informationsdienst „Ecumenical News International“ einerseits die sozialen und pastoralen Verdienste des Bischofs, andererseits seine Symbolbedeutung für die Gegenwart: „Bischof Raphael war ein großer Mann und ein großer Führer in einer schwierigen Zeit. Seine Kanonisierung lenkt unsere Aufmerksamkeit zurück auf eine Zeit, da alle Orthodoxen vereint waren. Er ist das Symbol des Zusammenwachsens verschiedener ethnischer orthodoxer Gruppen. Hier haben wir es mit einem Araber zu tun, der de facto ein russischer Bischof war. Er konnte ohne weiteres von Gemeinde zu Gemeinde gehen, und niemand sagte: ‘Oh, er ist ein Araber!’. Nein, sie sagten: ‘Er ist ein Bischof!’“

Tropar im 1. Ton: Deine Verkündigung ging aus durch ganz Nordamerika und rief die zerstreuten Schafe in die Einheit der Kirche. Da sie deine Stimme hörten, antworteten sie auf dein Lehren, und durch deine Schriften hast du sie in Frömmigkeit unterwiesen. Angeleitet durch dein Beispiel, Vater Rafael, singen wir Christus, unserem Gott, Lobeshymnen: Ehre sei ihm, der dir Kraft gab! Ehre sei ihm, der dir die Krone verliehen! Ehre sei ihm, der durch dich uns allen Heilung schenkt!“

Quelle: http://deutschorthodox.wordpress.com