Die heiligen Frankenapostel

Kilian, Kolonat und Totnan

 

Bis heute blicken die Christen in Franken voller Dankbarkeit auf das Wirken des irischen Wanderbischofs Kilian und seiner beiden Gefährten Kolonat und Totnan zurück. Der heilige Kilian entstammte einer vornehmen iroschottischen Familie. Zunächst schloss er sich dem Kloster des heiligen Columban an. Später studierte er dann die Wissenschaften seiner Zeit, erhielt die Bischofsweihe und pilgerte schließlich nach Rom. Wie die heiligen Kyrill und Method vom Patriarchen von Konstantinopel zur Predigt des Evangeliums zu den Slawen, so wurden auch Kilian und seine Gefährten vom Patriarchen von Alt- Rom als Glaubensboten nach Germanien ausgesandt.

 

Nach dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus zog der heilige Kilian mit 12 Mitstreitern, darunter dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan, ins fränkische Reich, um dort das Evangelium zu verkünden. Die ersten Berührungen mit dem Christentum hatten die Bewohner des heutigen Unterfrankens wohl im sechsten und siebten Jahrhundert durch Missionare erhalten, die unter der Herrschaft der fränkischen Könige aus dem Geschlecht der Merowinger ins Land gekommen waren. Ein Herzog verwaltete von Würzburg aus das südliche Thüringen und die Lande rund um den Main.

Als der hl. Kilian als Missionsbischof mit seinen Gefährten um 686 nach Würzburg kam, fand er dort kein überzeugendes christliches Leben vor. Sogleich begann er das Herzoghaus, das vor allem wegen seiner Ungerechtigkeit, Tyrannei und Unterdrückung seiner Untertanen bekannt war, zur Einhaltung der Gesetze zu ermahnen. Sowohl den Adel, als auch die einfachen Menschen rief er zu einem Leben nach dem Evangelium auf. Solange die Reichsgewalt die Glaubensboten schützen konnte, durfte Kilian ungehindert predigen und die heiligen Mysterien spenden. Als aber die Friesen ins nördliche Merowingerreich einfielen und alle Kräfte dorthin abgezogen wurden, veranlaßte das herzogliche Haus im Jahre 689 die Ermordung der Missionare.

 

Letzter Auslöser der Bluttat war, das der heilige Kilian von Herzog Gosbert verlangt hatte, sich von seiner Farau Gailana, die die Witwe seines Bruders war, zu trennen. Eine solche Witwenehe war nach dem weltlichen römischen Recht zwar erlaubt, aber das kirchliche Recht verbietet solche Verbindungen.

 

Die Vita des heiligen Kilian und seiner Gefährten berichtet, daß die Herzogin, als ihr Mann auf dem Kriegszug im Norden war, den Heiligen während der Nachtwache in der Kirche auflauern ließ. Den gezückten Schwertern streckten die Heiligen noch das Evangelienbuch entgegen. Aber die Täter ließen sich davon nicht weiter beeindrucken. Später verwischten die Mörder alle Spuren ihres Überfalls und verscharrten die Leichen. Eine Einsiedlerin, die die blutgetränkte Erde gesammelt hatte, wies dem heimgekehrten Herzog den Ort des Martyriums. Als die Anstifterin der Mordtat im Wahnsinn starb und ihr Mann ermordet wurde, sah das Volk darin einen Beweis für die Kraft der neuen christlichen Religion und bekehrte sich zum christlichen Glauben.

 

Auf Initiative des heiligen Bonifatius wurden die Reliquien der drei Märtyrer unter Bischof Burkhard feierlich erhoben. Dabei fand sich auch das Kiliansevangeliar, das noch die Blutspuren des Martyriums der drei Frankenapostel trug. Bis heute wird es in der Würzburger Universitätsbibliotek aufbewahrt. Dabei handelt es sich um eine Evangelienhandschrift aus dem Gallien des siebten Jahrhunderts.

 

Die Reliquien der drei Heiligen werden heute in einem Schrein in der Krypta der Neumünsterkirche in Würzburg aufbewahrt. Ihre Häupter befinden sich in einem Schrein aus Bergkristall, der in den Altar des Kiliansdoms eingelassen ist. Während der Kiliani-Oktav (Woche um den 8. Juli) können die Reliquien durch die Gläubigen verehrt werden.

 

 

(Die beiden abgebildeten Ikonen wurden vom in Deutschland lebenden Ikonenmaler

Alexander Stoljarov, Wuppertal geschieben)