Synaxis der heiligen Erzengel Michael und

 

 

Gabriel und der übrigen körperlosen Mächte der

 

 

Himmel

 

8. November

 

Zum Beginn des liturgischen Jahres (1. September) brachte uns die Kirche in die Gegenwart des Kreuzes, d.h. des Geheimnisses unseres Heils durch das Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Sie brachte uns in die Gegenwart der Allheiligen Jungfrau Maria, die den Höhepunkt menschlicher Heiligkeit darstellt. Nun bringt sie uns in die Gegenwart eines dritten Aspekts des geistlichen Lebens: die Hilfe der heiligen Engel. Sie lädt uns nun ein, am Fest der „Versammlung (griechisch Synaxis) der Erzheerführer Michael und Gabriel und der übrigen körperlosen Mächte der Himmel“ über diesen Aspekt nachzudenken. Die Engel sind reine Geister, aber geschaffene Geister, die dazu bestimmt sind die ewige göttliche Schönheit anzubeten und widerzuspiegeln und, in zweiter Linie, sind sie „ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen“ (Hebräer 1, 14). Das Alte Testament zeigt uns, wie oft sie bei den Patriarchen und Propheten eingriffen; die Hebräer betrachteten Engel als die sichtbaren Zeichen Gottes, als Träger Seines Bildes und Seiner Macht. In den Evangelien treten sie auf, wenn sie die Geburt Jesu ankündigen, Ihm in der Wüste und bei Seiner Todesangst dienen und als Zeugen Seiner Auferstehung. Sie sind eng verbunden mit dem Leben der heiligen Apostel und dem Anfang der Kirche. Der Glaube, das jeder einzelnen Seele ein Schutzengel als Führer und Beschützer zugeordnet ist, wurde nie als Glaubensartikel definiert, aber diese Vorstellung, die schon in der Bibel angedeutet und von den heiligen Vätern weiter entwickelt wird, passt sicher in den Geist der Kirche und kann in unserem geistigen Leben eine große Hilfe sein. Die Heilige Schrift kennt nur drei Engel: Raphael, und Michael und Gabriel deren Fest wir am 8. November feiern und um die herum die Kirche das „Heer“ der Engel gruppiert. Der hebräische Name Michael bedeutet: „Der Gott ähnlich ist“. Michael ist einige Male beim Propheten Daniel (Dan 10, 13. 21 und 12. 1) erwähnt, im Judasbrief (Jud 1, 9), wo er „Erzengel“ genannt wird, und in der Offenbarung des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes (Offenbarung 12, 7). Die Verehrung des heiligen Erzengels Michael begann wahrscheinlich in Phrygien und war besonders in Konstantinopel entwickelt. Vor allem betrachtet die christliche Tradition den heiligen Michael als den, der den Satan erfolgreich bekämpft hat. Der Hebräerbrief, den wir am selben Tag lesen (Hebräer 2, 2 - 10), warnt die, an die er gerichtet ist, vor einer übertriebenen Verehrung der Engel. Diese Gefahr bestand in bestimmten judenchristlichen Kreisen. „Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt unterworfen“, sondern Jesus Christus. Die Apostellesung zeigt, wie nahe der Mensch den Engeln ist: „Du hast ihn nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt“. Dann berichtet der Apostel auch, dass „das durch Engel verkündete Wort rechtskräftig war“. Dieses göttliche Wort bleibt an uns gerichtet durch die Engel – aber ist unsere persönliche Beziehung zu ihnen ausreichend eng um ihre Botschaft zu hören? Die Apostellesung beschreibt die Freude der siebzig vom Herrn Ausgesandten, die bei ihrer Rückkehr zu Ihm sagten: „Sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir Deinen Namen aussprechen.“ Und Jesus selbst sagte zu ihnen, dass Er „den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ gesehen hatte. Die Jünger hatten die Erfahrung der Kraft gemacht, die die Engel dauernd und in unvergleichlich höherem Maße ausüben. Vielleicht wurde diese Perikope ausgewählt, weil Jesus zu ihnen sagte: „Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“ Das bedeutet, dass die Jünger Jesu nach ihrem irdischen Leben in den Himmel kommen werden, der der Wohnort der Engel ist und in die Freude des Himmels, die die Freude der Engel ist; und dann wird das menschliche Leben naher dem Leben der Engel rücken. Schließlich beginnt die Perikope mit den Worten: „Wer euch hört, der hört mich ...“. Nicht nur durch die Lehre der Jünger und die apostolische Tradition, sondern auch durch die geheimnisvolle Botschaft der Engel in unserer Seele können wir das Wort des Heilandes vernehmen. Wenn wir wissen, wie wir den Engeln zuhören, dann hören wir Jesus zu. Anschließend singen wir ein Antiphon biblischen Ursprungs, das verkündet, das Gott „die Engel zu Winden und [seine] Diener zu brennendem Feuer [macht]“ (Ps 103,4). Wind und Feuer: so sind die Engel eng verbunden mit Pfingsten und dem Heiligen Geist.

 

Quelle: A Monk of the Eastern Church, The Year of Grace of the Lord, Crestwood, N.Y. 1980, p. 37 ff. Übersetzt G. Wolf.

 

Troparion der Synaxis

Heerführer der himmlischen Scharen, wir Unwürdigen bitten euch immerdar: Beschirmt uns durch eure Fürbitten im Schatten der Flügel eurer unstofflichen Herrlichkeit. Demütig rufen wir ohne Unterlass: erfleht, dass wir befreit werden aus den Gefahren, ihr Fürsten der überirdischen Mächte.

Kondakion der Synaxis

Heerführer Gottes, Liturgen göttlicher Herrlichkeit, der Engel Führer und der Menschen Geleiter: das Zuträgliche erflehet für uns und das große Erbarmen als der Körperlosen Heerführer.