Unsere Mutter unter den Heiligen

 

Hilda,

 

Äbtissin von Whitby

 

17. November 

 

Die heilige Hilda kam um 614 zur Welt. Ihr Vater Hereric war ein Neffe von König Edwin von Northumbria. Ihre Mutter hieß Breguswith. Sie war durch ihre Schwester Hereswitha mit dem Königshaus East Anglias verschwägert. Im Jahre 627 wurde sie von heiligen Paulinus, dem Bischof von York getauft, als König Edwin der Heilige und seine Familie Christen wurden.

Im Alter von 33 Jahren beschloss Hilda in das fränkische Kloster Chelles zu gehen, wo ihre Schwester Hereswitha bereits Nonne war. Der heilige Aidan von Lindisfarne überzeugte sie aber, in Northumbrien zu bleiben. Er stellte ihr bei Wearmouth ein Stück Land zur Verfügung, wo sie mit wenigen gleichgesinnten Frauen ein klösterliches Leben begann.

Später trat die Heilige dann in das Kloster Hartlepool ein, dessen Äbtissin sie um 649 wurde. Im Jahre 657 gründete sie ein Doppelkloster in Whitby Abbey. In diesem lebten sowohl Mönche als auch Nonnen, wobei ihre Quartiere aneinander grenzten und getrennt waren. Nur das Stundengebet und die Heilige Liturgie in Klosterkirche wurden von ihnen beiden gemeinsam gesungen. Die geistliche Leitung lag bei der heiligen Hilda, die als Äbtissin alle Monialen im Kloster betreute. Dabei legte sie ihr besonderes Augenmerk auf eine umfassende Bildung der Mönche und Nonnen, die über die theologischen und philosophischen Disziplinen hinaus ging. Dadurch wurde das Kloster in Whitby Abbey zu einem der bedeutendsten religiösen Bildungszentren in England. Fünf spätere Bischöfe der angelsächsischen Kirche wurden zur Zeit Hildas in Whitby ausgebildet. Auch der altenglische Dichter Cædmon war Mönch in Whitby. Sein Schöpfungshymnus ist das älteste erhaltene Gedicht in altenglischer Sprache.

In diesem Kloster fand 664 die Synode von Whitby statt, wo entschieden wurde, ob Northumbria die Form der Tonsur und das Osterdatum aus der iro-keltischen oder römischen Tradition übernehmen sollte. Die Synode entschied sich für die römischen Traditionen, was zu einer Annäherung der Kirche Northumbrias an die Kirchen im Süden Englands und auf dem Kontinent führte. Die heilige Hilda persönlich zog zwar die iro-keltischen Traditionen, in denen sie gelebt hatte, vor; als aber die Entscheidung gefallen war, verwandte sie ihren Einfluss darauf, einen friedlichen Übergang vom iro-keltischen zum römischen Gottesdienst zu ermöglichen. Im Zuge dessen führte sie die römische Liturgie und Typikon des heiligen Benedikt (Regula Benedicti) in ihrem Kloster ein. Die Heilige starb am 17. November 680 in Whitby Abbey nach sechsjähriger Krankheit.

Der Kalender des heiligen Willibrord, der zu Beginn des 8. Jahrhunderts entstand, ist das älteste schriftliche Zeugnis, das die Verehrung der heiligen Hilda erwähnt. Die Hauptquelle für ihr Leben ist die Kirchengeschichte Englands des heiligen Beda Venerabilis.

Der Gedenktag der Heiligen Äbtissin Hilda ist in der orthodoxen und katholischen Kirche am 17. November, in der anglikanischen Kirche am 19. November.

Zusammengestellt von Thomas Zmija- Horjanyj.