Der heilige Dismas (auch Dysmas, Dimas oder in der lateinischen Form Dumachus) ist nach der Tradition der orthodoxen Kirche der mit unserem Herrn Jesus Christus gekreuzigte „gute“ Verbrecher. Nach dem Bericht des heiligen Apostels und Evangelisten Lukas (Lk 23,39ff) hat er am Kreuz seine Sünden und Verbrechen bereut und sich zu Christus als dem Sohn Gottes bekannt. Dafür hat Er ihm einen Platz im Paradies versprochen als er sprach: „Wahrlich, Wahrlich ich sage dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Der andere Räuber, der den Herrn noch im Leiden verspottet hat, hieß nach dem Bericht des apokryphen Nikodemusevangelium Gestas.

In den übrigen Evangelien werden die Namen der beiden mit Jesus hingerichteten Verbrecher nicht genannt. Neben dem Nikodemus-evangelium nennen die apokryhen „Akten des Pilatus“ aus dem vierten Jahrhundert zum ersten Mal die Namen der beiden Schächer. Hier werden sie Dusmas und Gestas genannt. Nach dieser apokryphen Erzählung hat der heilige Erzengel Michael den heiligen Dismas zusammen mit seinem Kreuz im Paradies empfangen. In einem apokryphen arabischen Kindheitsevangelium aus dem sechsten Jahrhundert ist er der Räuber, der den Herrn, zusammen mit seinem Pflegevater, dem heiligen Josef und seiner Mutter, der allheiligen Gottesgebärerin Maria, auf der Flucht nach Ägypten in sein Haus aufgenommen hat. Sein Kreuz ist später auf die Insel Zypern gelangt, wo der heilige Dismas bis heute besonders verehrt wird. Der heilige Dismas wird auf die Ikonen der Kreuzigung und oft auch auf die der Auferstehung geschrieben. Auf den Kreuzigungsikonen ist der Kopf unseres Herrn auf die rechte Seite zum heiligen Dismas hin geneigt, womit die Annahme eines jeden Sünders vor Gott, wenn er seine Sünden aufrichtig und vollkommenen bereut, ausgedrückt wird. Auf einem bestimmten Typus der Auferstehungsikone führt ein Engel seine gerettete Seele in Paradies. Oft führt Dismas auf diesen Darstellungen die Schar der alttestamentlichen Heiligen an und klopft als erster an die Tür des Paradieses. Auf vielen der Auferstehungsikonen vom Typus „Hinabstieg des Herrn in die Unterwelt“ erscheint er dargestellt unter den ersten Erlösten in der Vorhölle neben dem heiligen Vorläufer und Täufer Johannes und den Stammeltern Adam und Eva.

Auch in der Göttlichen Liturgie singen wir zum Beginn der Seligpreisungen das Bekenntnis des heiligen Dismas: „Herr gedenke unser, wenn Du kommst in Deinem Königtum.“ Die darauffolgenden Stichira zu den Seligpreisungen, die wir im Wechsel mit den Versen singen, bringen das Verhältnis von wahrer Buße und Gottes gnädigem Rettungshandeln an uns zur Sprache. Meistens münden sie ein in gemeinsamen Ruf zu Christus: “Gedenke unser, wenn Du kommst in Deinem Königtum“. Auch in den Gebeten vor der heiligen Kommunion sprechen wir diesen Vers. Genau wie der vielmalige Ruf des „Herr, erbarme Dich“ der all unsere Gottesdienste durchzieht, beten wir so mit den Worten des heiligen Dismas zum Herrn, dass er uns trotz unserer vielen Fehler und Sünden erretten und uns am Ende des Lebens in seiner Menschenliebe und Barmherzigkeit die Pforten zum Paradies öffnen möge. Insofern wird der hl. Dismas als unser Fürbitter vor Gott auch des öfteren auf der Seitentür des Ikonostas, die zur Protesis führt, dargestellt.

Nördliche Seitentür der Ikonostas in der Kirche des hl. Alexander von der Newa in Rotterdam
Nördliche Seitentür der Ikonostas in der Kirche des hl. Alexander von der Newa in Rotterdam

Die orthodoxe Kirche gedenkt des heiligen Dismas am 23. März.

 

Zusammengestellt von Thomas Zmija- Horjanyj nach Michael Sauser; Art.: „Dismas“, in Bautz, biographisch- bliographisches Kirchenlexikon und Art. Dismas in „Wikipedia“.