Der heilige uneigennützige Arzt Lukas, Bekenner- Erzbischof von Simferopol und der Krim

Der hl. Luka wurde 1877 in Ker in der Ukraine als Valentin Felixowitsch Woino-Jassenezkij in einer Adelsfamilie polnischer Herkunft geboren: Er empfing den Taufnamen Valentin. Um den Menschen zu dienen, studierte er Medizin und begann 1903 als Landarzt in einem Spital am Baikalsee zu arbeiten. Hier heiratete er und wurde in der Folge Vater von vier Kindern. Nach mehreren Versetzungen, wurde er beim Ausbruch der Revolution, im Jahr 1917, Chefarzt eines großen Krankenhauses in Taschkent, wo er zudem als Professor für Chirurgie an der Universität lehrte. Er nahm auch oft an Podiumsdiskussionen mit Agitatoren des bolschewistischen Gottlosenverbandes teil, wo er offen und klug gegen den atheistischen Materialismus Stellung bezog. Damals empfing er auch die Priesterweihe und zelebrierte jeden Sonntag in der Kathedrale von Taschkent. Mit großer Hingabe widmete er sich der Predigt und führte zwei Jahre lang öffentliche Streitgespräche mit einem in Apostasie gefallenen Priester, der in der Gegend die antireligiöse Propaganda leitete.

Als 1923 das Schisma der "Lebendigen Kirche" die russische Kirche in Bedrängnis brachte, musste der Bischof von Taschkent fliehen, wobei er die Verwaltung seiner Diözese Vater Walentin sowie einem anderen Erzpriester anvertraute. Da seine Frau schon einige Jahre vorher an Tuberkulose gestorben war und er seine Kinder in zuverlässige Obhut gegeben hatte, wurde er im selben Jahr unter dem Namen Lukas zum Mönch geschoren und am 8. Mai 1923 von zwei exilierten Bischöfen im Gebiet von Samarkand in aller Heimlichkeit zum Bischof geweiht.

10 Tage nach seiner Rückkehr nach Taschkent und seiner ersten Liturgie als Hierarch, wurde er vom sowjetischen Geheimdienst GPU verhaftet und unter der Anklage antirevolutionärer Umtriebe und der Spionage zugunsten Großbritanniens zu zwei Jahre Exil in Sibirien verurteilt, in Turuchansk. Dort war er in einem Spital als Chirurg tätig und errettete mehrere Menschen vor den sicheren Tod. Er war gewohnt, die Kranken vor der Operation zu segnen und zu beten, und als die GPU-Agenten es ihm verboten, weigerte er sich glattweg, ihnen zu gehorchen Da wurde er ins Polizeikommissariat gerufen und verhört, worauf man ihm eine halbe Stunde gab, um sein Gepäck vorzubereiten.

Dann schickte man ihn auf einem Schlitten an die Ufer des Arktischen-Meeres, wo er den Winter in verschiedenen Weilern verbrachte. Im Frühjahr 1924 wurde er nach Turuchansk gerufen, da man dort einen Chirurgen brauchte. 1926 ließ man ihn frei, worauf er nach Taschkent zurückkehrte. Damals schlug ihm Metropolit Sergij mehrere Bischofssitze vor, doch er lehnte ab und bat, in den Ruhestand versetzt zu werden, ein Entscheid, den er später bereuen sollte.

Nachdem er drei Jahre ungestört als Arzt gewirkt hatte, wurde er 1930 erneut verhaftet, unter dem Vorwurf, er habe Beihilfe geleistet zur Ermordung des Professors Michilowki. Dieser hatte nach dem Tod seines Sohnes den Verstand verloren und versucht den Toten durch Bluttransfusionen ins Leben zurückzubringen, und da es ihm nicht gelang, hat er sich das Leben genommen. Auf Bitte der Witwe hatte der hl. Lukas, in Erwägung des gestörten Geisteszustandes des Professors, die Erlaubnis erteilt, ihn in der Kirche zu bestatten. Die kommunistischen Behörden nahmen dies zum Anlass, um ihn anzuklagen, wobei sie als Motiv seiner angeblichen Mordbeihilfe angaben, er habe aus religiösen Fanatismus verhindern wollen, dass der Professor mit Hilfe der materialistischen Wissenschaft einen Toten erwecke. Nach mehreren Verhören warf man ihn in einen luftlosen Kerker, wo er in den Hungerstreik trat. Nach einiger Zeit wurde er zu einem neuerlichen, dreijährigen Exil verurteilt (1931-33), das er in Kotla und Archangelsk verbrachte, auch als Chirurg im Spital dienend.

Um sich eines Tumors wegen behandelt zu lassen, reiste er damals nach Leningrad, hier hatte er eines Tages, während er in der Kirche dem Gottesdienst beiwohnte, eine erschütternde Vision, die ihm seine Verpflichtung im Dienst der Kirche in Erinnerung rief.

Zu neuen Verhören nach Moskau beordert, machte man ihm verlockende Angebote zu Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Arbeiten über die Lokalanästhesie und die chirurgische Behandlung eiternder Wunden, unter der Voraussetzung, dass er seine Priesterschaft aufgebe, was er entschieden ablehnte. 1933 entlassen, kehrte er nach Taschkent zurück, wo er in einem kleinen Spital arbeiten konnte. 1934 erschien seine Schrift über die chirurgische Behandlung eiternder Wunden, die zu einem Klassiker werden sollte und ihm später den Stalin-Preis und Weltruf eintrug.

Während seiner Arbeit in Taschkent wurde er von einer Tropenkrankheit befallen, die eine Ablösung der Augennetzhaut bewirkte. Dennoch setzte er seine chirurgische Tätigkeit bis 1937 fort. Damals löste Stalin seine grausame Verfolgung aus, nicht nur gegen die Gegner des Regimes, sondern auch gegen die Kommunistenführer der Anfänge, und die Konzentrationslager füllten sich mit Millionen von Häftlingen. Auch der hl. Lukas wurde verhaftet, zusammen mit dem Erzbischof von Taschkent und den anderen Klerikern, die der Kirche treu geblieben waren. Man beschuldigte ihn, eine antirevolutionäre Organisation gegründet zu haben, und unterwarf ihn einem Kettenverhör von 13 Tagen und Nächten, unter dem blendenden Licht von Scheinwerfern, bei dem er von sich ablösenden Polizeibeamten ununterbrochen befragt wurde, um ihn in Widersprüche zu verstricken. Als er einen neuen Hungerstreik begann, sandte man ihn, erschöpft, in die Kellerverliese der GPU zurück. Nach einem weiteren Verhören und Foltern, die ihm die Kontrolle raubten über das was er tat, unterschrieb er mit zitternder Hand ein Geständnis über die antikommunistischen Komplott und wurde anfangs 1940 zum dritten mal nach Sibirien verbannt, in die Gegend von Krasnojarsk. Zum Preis von tausenderlei Schwierigkeiten gelang es ihm, auch dort als Chirurg zu wirken und seine Forschungen in Tomsk fortzusetzen. Beim Einmarsch der Hitler-Armee, im Jahr 1941, dem Beginn eines Krieges in der Sowjetunion, der Millionen von Opfern fordern sollte, wurde er zum Chefarzt des Spitals von Krasnojarsk ernannt, mit Verantwortung für alle Militärlazarette der Gegend. Gleichzeitig diente er als Bischof der Region, wo sich die Kommunisten rühmten, alle Kirchen außer Betrieb gesetzt zu haben. Für seine Dienste erhielt er damals eine Auszeichnung Patriotischen Ordens, und Metropolit Sergij erhob ihn in den Rang eines Erzbischofs. In dieser Eigenschaft nahm er 1943 am Konzil teil, das Metropolit Sergij zum Patriarchen wählte, und wurde zum Mitglied der permanenten Synode des Patriarchats ernannt. Da die antireligiöse Verfolgung des Krieges wegen etwas abgeflaut war, konnte er in Krasnojarsk ein Programm geistiger Erneuerung beginnen und ergab sich mit doppeltem Eifer der Predigt. Er hielt über 1250 Predigten, wovon 700 aufgezeichnet wurden, und in 12 Bänden gesammelt in Russland und herausgegeben worden sind.

Als das Spital von Krasnojarsk 1944 nach Tambow verlegt wurde, zog er in diese Stadt und übernahm auch die Leitung ihres Bistums. Gleichzeitig arbeitete er an verschiedenen medizinischen und religiösen Publikationen und verfasste eine Apologie des Christentums gegen den atheistischen Materialismus.

1946 wurde er auf die Krim versetzt und zum Erzbischof von Simferopol ernannt. Wegen einer Herzkrankheit und dem schwindenden Augenlicht musste er nun aufhören mit seinen Operationen, blieb aber weiterhin tätig, indem er unentgeltliche Konsultationen gab und die anderen Ärzte der Gegend beriet. Damals geschahen durch sein Gebet wunderbare Heilungen.

1956 erblindete er vollständig, zelebrierte aber weiterhin die Göttliche Liturgie, predigte und leitete seine Diözese, wobei er sich mutig den Kirchenschließungen und anderen Verfolgungsmaßnahmen entgegenstellte. Nachdem er sein Werk als Zeuge des zu unserem Heil gekreuzigten Herrn erfüllt hatte, entschlief er in Frieden am 11. Juni (29. Mai) 1961 und wurde im Beisein des ganzen Klerus und einer großen Volksmenge bestattet. Sein Grab wurde bald zur Pilgerstätte, an der sich bis heute viele Wunder ereignen.

/© „Synaxarion“, Chania, 2005/

Hl. Luka, Erzbischof von Simferopol und Krim und uneigennütziger Arzt - 29. Mai