Vollversammlung der Orthodoxen Bischofskonferenz

Essen - Am 13. / 14. November 2010 fand die diesjährige Herbst-Vollversammlung der Or­thodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) statt, und zwar in der serbischen Ge­meinde Hl. Stefan in Essen. Grund für die Ortswahl war nicht zuletzt das Kulturhauptstadt­jahr RUHR2010, an dem sich die Orthodoxe Kirche in mehrfacher Hinsicht, zuletzt mit zwei Konzerten im Rahmen des „Nightprayer", beteiligt hat. Die OBKD repräsentiert rund 1,5 Mil­lionen orthodoxe Christen verschiedener Herkunft und Nationalität. Es war dies die erste Vollversammlung der OBKD, an der auch die Vikar­bischöfe teilnahmen. Insgesamt nahmen an ihr fünf Diözesanbischöfe und fünf Vikar­bischöfe, letztere teilweise in Vertretung ihrer Diözesanoberhirten, teil. Einen besonderen Akzent erhielt die Sitzung der Bischofskonferenz dadurch, dass das römisch-katholische Domkapitel Essen die Reliquien der hll. Kosmas und Damian, der Essener Stadtpatrone, den orthodoxen Mitchristen für einen Tag „auslieh". Sie wurden am Samstagmorgen aus der Essener Domschatzkammer, ihrem ständigen Aufbe­wahrungsort, in die orthodoxe Kirche Hl. Stefan gebracht. Nach Aussage von Dompropst Othmar Vieth war es übrigens das erste Mal, dass die Reliquien der hll. Märtyrer in eine Gemeinde kamen. In deren Zentrum fand dann ganztägig die Arbeitssitzung der OBKD statt, die sich u.a. mit Fragen des orthodoxen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen, der Beteiligung in ökumenischen Gremien und Veranstaltungen sowie der Weiterführung der einheitlichen Übersetzung orthodoxer gottesdienstlicher Texte ins Deutsche beschäftigte. Wichtigster Tagungsordnungspunkt aber war zweifelsohne die Annahme der Satzung der OBKD (vgl. den vollen Wortlaut S. 20-24). Diese basiert auf den Vorgaben der IV. Präkonzi­liaren Panorthodoxen Konferenz von 2009, stellt aber deren Adaption an die deutsche Le­benswirklichkeit dar. Inzwischen ist die Satzung auch im Internet auf der neuen Webseite der Orthodoxen Bischofskonferenz einsehbar (ww.obkd.de). Sodann wurden drei Kommissi­onen der OBKD errichtet, eine Kommission für den Religions­unterricht unter Leitung von Metropolit Augoustinos (Labardakis), eine Theologische Kommission unter Leitung von Bi­schof Vasilios (Tsiopanas) von Aristi und eine für die Übersetzung liturgischer Texte unter Leitung von Erzbischof Mark (Arndt) von Berlin und Deutschland. Als ökumenische Ehren­gäste nahmen am Mittagessen der Bischofs­konferenz auch der römisch-katholische Ortsbi­schof von Essen, Ruhrbischof Dr. Overbeck, Dompropst Vieth und der Präses der Evangeli­schen Kirche im Rheinland und gerade neu gewählte Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, teil. Um 17 Uhr fand dann eine Vesper mit anschließender Verehrung der Reli­quien der hll. Kosmas und Damian statt, an der sich auch andere orthodoxe Gemeinden Essens und der Umgebung beteiligten. Am Sonntagmorgen, dem 14.11.2010, feierten die orthodoxen Bischöfe Deutschlands gemeinsam ein Pontifikalamt in der serbischen Kirche. Hierzu war als Gast und Konzelebrant auch der russische orthodoxe Bischof von Baku und Transkaspien Aleksandr (Iscein) gekommen, der sich derzeit zu einer medizinischen Be­handlung in Deutschland aufhält. Die Predigt hielt der Generalsekretär der OBKD und be­tonte die Aktualität des Vorbildes der hll. Kosmas und Damian: „Umsonst habt ihr empfan­gen, umsonst gebt ihr!" An die Liturgie schloss sich ein kurzer Festakt an, bei dem der ei­gens aus Belgrad angereiste Professor Protodiakon Radomir Rakic über die Bedeutung der Orthodoxie in der westeuropäischen Gesellschaft sprach, und das gemeinsame Mittagessen der Bischöfe und Mitarbeiter der Bischofskonferenz mit der Ortsgemeinde an. Die Gründung der Bischofskonferenz darf - so machten alle Teil­nehmer deutlich - als ein Zeichen der ge­lungenen Integration der Orthodoxen Kirche in Deutschland gewertet werden. Sie demonst­riert, dass alle orthodoxen Diözesen, die in Deutschland vertreten sind und sowohl griechi­schen wie antiochenische (rum-orthodoxe), russische, serbische, rumänische, bulgarische, georgische und ukrainische Gläubigen umfassen, bei allen sprachlichen und kulturellen Un­terschieden eine einzige Orthodoxe Kirche bilden und als solche einvernehmlich durch ein gemeinsames höchstes Organ auf Bischofsebene handeln. „Die Orthodoxe Kirche in Deutschland schreibt hier und heute Geschichte", verkündete denn auch der OBKD-Vorsitzende, Metropolit Augoustinos, am Ende der Konferenz und bekräftigte in seiner An­sprache am Ende der Göttlichen Liturgie: „Wir sind eine Kirche, wir sind eine Familie. Der Herr will, dass wir zusammenarbeiten."

 

Quelle: ORTHODOXIE AKTUELL 12/2010