Außenansicht der Christi-Verklärungs-Kirche.
Außenansicht der Christi-Verklärungs-Kirche.

 

Die Orthodoxe Christi-Verklärungs-Kirche

 

in Stockholm

 

Exarchat für die orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

 

von Thomas Zmija-Horjanyj

 

Die Christianisierung Schwedens beginnt im 9. Jahrhundert und erstreckt sich bis in das 13. Jahrhundert. Die ersten Kontakte mit der christlichen Lehre erfolgten in der Zeit der Wikingerzüge. Im Osten fanden diese Kontakte mit der orthodoxen Kirche statt, auf die die schwedischen Wikinger sowohl in Byzanz als auch im slawischen Missionsgebiet der Rus´ stießen. In den Zügen nach Westen und Süden stießen die Wikinger auf die bereits christianisierten Angelsachsen und das Frankenreich. Die engen Beziehungen zwischen England einerseits und Dänemark und Norwegen andererseits führten zu einer angelsächsischen Mission in Skandinavien, wovon die Heiligenviten aus dem 15. Jahrhundert, wie die vom heiligen Sigfrid, der Olof Skötkonung getauft hat und vom heiligen Eskil, der der Stadt Eskilstuna den Namen gegeben hat, berichten. Gleichzeitig bildete sich im Rahmen der fränkischen Expansionsbestrebungen ein neues Missionszentrum für den Norden, nämlich das Erzbistum Hamburg. Die wichtigste schriftliche Quelle für die fränkischen Missionierungsversuche von Hamburg aus ist die Lebensbeschreibung des heiligen Ansgar durch den Mönch Rimbert. Der heilige Ansgar reiste im Jahre 829 nach Birka, dem schwedischen Handelszentrum dieser Zeit, und wurde vom König freundlich empfangen. Er bekam die Erlaubnis zu predigen, und mit der Zeit ließ sich der Vogt Hergeir taufen. Kurz danach ließ Hergeir eine Holzkirche auf einem privaten Grundstück bauen. Als Ansgar Birka eineinhalb Jahre später verließ, gab es eine kleine Gemeinde in Birka. Nicht nur christliche Sklaven, sondern auch christliche Handelsleute, die sich zeitweilig in Birka aufhalten, gehörten zur Gemeinde. Ansgar sandte einen Hilfsbischof nach Birka, der aber vertrieben wurde. Am Beginn der 850er Jahre kam Ansgar ein zweites Mal nach Birka, um die Kirche zu reorganisieren. Aber auch dieser zweite Versuch hatte nur wenige Jahre Bestand. Auch alle weiteren Versuch, den christlichen Glauben unter den Stämmen Schwedens zu verbreiten, schlugen entweder fehl oder die Gemeinden exsistierten nur kurze Zeit. Nach der Chronik des Bischofs Adam von Bremen konnte der christliche Glaube erst unter dem christlichen König Olof Skötkoning in der heutigen Provinz Västergötland dauerhaft Fuß fassen. Als ersten christlichen König nennt Adam Erik Segersäll, der in Dänemark getauft worden sei. Doch nach seiner Rückkehr nach Uppsala sei er vom rechten Glauben wieder abgefallen. Dessen Sohn Olof Eriksson Skötkonung war der erste König, der aktiv für das Christentum eintrat. Er ließ sich um das Jahr 1000 vom heiligen Sigfrid, einem englischen Missionsbischof, in Husaby taufen. Münzfunde aus Sigtuna, die auf die 990er Jahre datiert werden, zeigen Olof Eriksson als christlichen König. Der erste Bischofssitz wurde nicht weit von Husaby entfernt in Skara errichtet, und wahrscheinlich um das Jahr 1060 wurde ein weiterer Bischofssitz in Sigtuna gegründet. Unter König Stenkil wurde das Christentum zur offiziellen Religion in ganz Schweden, obwohl die Bevölkerung von Uppland sich der Christianisierung noch vehement wiedersetzte. Eine eigene bischöfliche Hierarchie für die Kirche in Schweden wurde erst unter König Eric (1150 bis 1160) errichtet , der auch mit der Schwertmission und Eroberung Westfinnlands begann, während der Osten Finnlands (Karelien) durch die Mission orthodoxer Mönche aus Rußland für den christlichen Glauben gewonnen wurde. Im Jahre 1531 wurde mit Erzbischof Laurentius Petri der erste protestantisch gesinnte Primas von Schweden gewählt und 1593 wurde auf einer Synode in Uppsala das lutherische Bekenntnis angenommen. Dieses war für alle Untertanen des schwedischen Imperiums bis ins später 18. Jahrhundert verbindlich. Andere Glaubensbekenntnisse, wie die Orthodoxie in Karelien und unter den Sami im Norden, aber auch der Katholizismus und das Judentum waren verboten. So wurde im 17 und 18. Jahrhundert die Mehrheit der, bis dahin meist heidnischen, Sami zum Luthertum bekehrt. Seit 1860 herrscht in Schweden Religionsfreiheit. Im Jahre 2009 bekannten sich 71% der Schweden zur lutherischen Staatskirche, 92.000 sind Katholiken, 72.000 gehören verschiedenen protestantischen Freikirchen an und 100.000 sind Orthodoxe und orientalisch orthodoxe Christen. Die erste orthodoxe Gemeinde auf schwedischem Boden wurde durch russische Kaufleute und Diplomaten im Jahre 1617 gegründet. Diese war die erste nichtlutherische Gemeinde, die nach der Einführung der Reformation vom schwedischen Staat anerkannt wurde. Da die orthodoxe Gemeinde als Kirche der russischen Kaufleute (Grekisk-Ryska Kyrka) 1617 vertraglich legitimiert und der unbehinderte orthodoxe Gottesdienst in Stockholm dort verbrieft worden war, wurden die Gottesdienste in, im Laufe der Zeit wechselnden, Räumlichkeiten am russischen Handelshofes (Rysk Handelsgård), in Stockholm kurz ”Ryssgården” genannt, vollzogen. Die Priester gehörten jedoch zum diplomatischen Personal der russisch-kaiserlichen Gesandtschaft beim schwedischen Hof. Der erste Gemeindepriester war Vater Emilian´, der 1651 aus Novgorod nach Stockholm kam. Bis 1860 durften nur Angehörige der kaiserlich-russischen Gesandtschaft und griechische und russische Kaufleute an den orthodoxen Gottesdiensten teilnehmen. Erst im Jahre 1907 wurde mit dem Bau des Kirchen- und Wohnhauses in der Birger Jarlsgatan ein eigenes orthodoxes Kirchengebäude geschaffen und dem Fest der Verklärung Christi geweiht. Die Christi-Verklärungskirche befindet sich im Souterain-Paterre eines mehrstöckigen Wohnhauses und ist mit Ikonen und Kircheninventar im meist nazarenisch-italienischen Stil der Jahrhundertwende ausgestattet. Im Jahre 1933 wurde ein orthodoxer Begräbnisplatz auf dem Friedhof Skogskyrkogården erworben, wo sich auch heute noch die Grabstätten der Gemeindemitglieder befinden.

 

 

In Folge der bolschewistischen Oktoberrevolution des Jahres 1917 suchte eine größere Anzahl orthodoxer Flüchtlinge auch in Skandinavien Zuflucht und ließ sich zum Teil auch in Stockholm nieder. Sie stammten vor allem aus Sankt Petersburg. Durch sie wuchs die Zahl der Gemeindeglieder um mehrere hundert Personen an. Seit dem Jahre 1921, als Patriarch Tichon Metropolit Evlogij (Georgievskij) mit der Verwaltung der russischen Gemeinden in Westeuropa betraute, gehört die Christi-Verklärungsgemeinde in Stockholm zum Exarchat in Paris (seit 1931 mit diesem zum Ökumenischen Patrarchat in Konstantinopel). Nach dem zweiten Weltkrieg schlossen sich erneut orthodoxe Flüchlinge, diesmal aus Finland, dem Baltikum und Deutschland, der Christi-Verklärungs-Gemeinde an. Heute hat die Gemeinde rund 1500 Mitglieder. Sie wird von Vater Angel Velitchkov als ihrem Gemeindepriester seelsorgerlich betreut. Der Gottesdienst wird auch heute noch mehrheitlich in kirchenslawischer Sprache gehalten, obwohl auch viele schwedischsprachige Gläubige zur Gemeinde gehören. Zur Stockholmer Gemeinde gehören noch mehrere kleinere Filialgemeinden.

 

Vater Angel Velitchkov
Vater Angel Velitchkov
Innenansicht der Christi-Verklärungs-Kirche (Pfingsten 2011).
Innenansicht der Christi-Verklärungs-Kirche (Pfingsten 2011).
Blick in die Gemeindebibliothek.
Blick in die Gemeindebibliothek.
Pas´cha/ Ostern 2011
Pas´cha/ Ostern 2011

 

Adressen in Schweden:

 

Kristi Förklarings Ortodoxa Kyrka Stockholm

Birger Jarlsgatan 98.

Box 19027
104 32 Stockholm

Priester: Vater Angel Velitchkov
Telefon: 031 18 12 44

 

Kristi Förklarings Ortodoxa Kyrka Göteborg

Kapellgången
411 31 Göteborg

Priester: Vater Bengt Hagström (Göteborg)

Vater Angel Velitchkov (Stockholm)
Telefon: 031 18 12 44