Die Orthodoxe Kirche in Norwegen

 

Von Thomas Zmija-Horjanyj

 

 

Zum orthodoxen Glauben bekennt sich in Norwegen nur eine sehr kleine Minderheit. Lebten im Jahre 2000 nur 2315 Orthodoxe im Land so waren es 2010 immerhin schon 8492 Gläubige.

Die Geschichte der orthodoxen Kirche in Norwegen:

Mit den Warägern kamen auch Kriegergefolgschaften aus den norwegischen Kleinkönigreichen in die Kiewer Rus´, wo einige von ihnen auch den christlichen Glauben annahmen. In Norwegen selbst begann die systematische Verkündigung des Evangeliums aber erst um das Jahr 1000. Unter König Olaf dem Heiligen, der auch Apostel des norwegischen Volkes genannt wird, begann sich dann das Christentum allmählich durchzusetzen. Als Wendepunkt in der Entwicklung hin zu einem geeinten norwegischen Königreich und der Annahme des Christentums gilt die Schlacht von Stiklestad im Jahre 1030. Der dort gefallene König Olav Haraldson wurde zu Norwegens bedeutendstem Heiligen. Auch den Orthodoxen in Norwegen gilt er als heiliger Märtyrerkönig, der sein Leben im Kampf für den christlichen Glauben dahin gab. Seine Reliquien wurden in einem kostbaren Schrein in der Kirche des heiligen Clemens in Drontheim, dem heutigen Nidaros-Dom, beigesetzt. Das norwegische Volk feiert sein Gedächtnis seit jeher am 29. Juli, dem Sankt Olafstag.

Die Christianisierung ging dann allerdings nur langsam voran. Bis zur Einführung der lutherischen Reformation im Jahre 1537 gehörten die Norweger zur römisch-katholischen Kirche. Danach war der Katholizismus streng verboten. Erst 1843 wurde dieses Verbot aufgehoben. Seit 1851 haben alle Einwohner Norwegens das Recht, ihre Religion frei zu wählen und auszuüben. Seit dieser Zeit herrscht in Norwegen Religionsfreiheit, jedoch gehören 86% der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Staatskirche an, deren Oberhaupt der norwegische König ist.

Im 16. Jahrhundert verkündete der heilige Tryphon vom Pechenega das Evangelium unter dem Volkstamm der Skolt-Samen und errichtete eine orthodoxe Kapelle am Fluss Neiden.

Orthodoxe Kapelle des heligen Großmärtyrers Georg am Fluss Neiden
Orthodoxe Kapelle des heligen Großmärtyrers Georg am Fluss Neiden

Die kleine orthodoxe Sankt Georgs Kapelle wurde im Jahre 1565 im Blockhausstil erbaut. Die Kapelle ist das älteste Gebäude in der norwegischen Finnmark. Der kleine dazugehörige Friedhof ist mit einem schlichten Holzzaun umschlossen. Der Bau der Kirche hängt mit den Skolt-Samen zusammen, die im 16. Jahrhundert am Fluss Neiden zu siedelten begannen.

 

Innenansicht der Orthodoxen Kapelle des heiligen Großmärtyrers Georg.
Innenansicht der Orthodoxen Kapelle des heiligen Großmärtyrers Georg.
Orthodoxer Gottesdienst an der Kapelle des heiligen Großmärtyrers Georg.
Orthodoxer Gottesdienst an der Kapelle des heiligen Großmärtyrers Georg.
Skolt-Samin in Tracht
Skolt-Samin in Tracht

 

Die Sami (Selbstbezeichnung: Samit oder Samek) sind ein indigenes Volk im Norden Skandinaviens. Der veraltete Begriff Lappe oder Lappen (plural) wird von vielen Sami als herabsetzend empfunden. Die ursprüngliche Sprache der Sami gehört zur Familie der uralischen Sprachen und ist mit dem Finnischen, Ungarischen und Samojedischen verwandt. Im 16. Jahrhundert verkündete der heilige Triphon von Pechenega das Evangelium unter dem Skolt-Sami, die seitdem in Norwegen, Finnland und der russischen Kola-Halbinsel orthodoxen Glaubens sind. Sevettijärvi in Finnland ist heutzutage das Zentrum der Skolt-Sami.

 

 

In Folge der bolschewistischen Oktoberrevolution des Jahres 1917 suchte eine Anzahl orthodoxer Flüchtlinge auch in Skandinavien Zuflucht. Diese erreichten zunächst Schweden, später dann auch Norwegen. Seit den 1920er Jahre wurden sie regelmäßig von den Priestern der russischen Kirche in Stockholm seelsorgerlich betreut, die der Jurisdiktion des Metropoliten Evlogij unterstanden. Im Jahre 1931 konnte dann sowohl eine eigene Pfarrgemeinde, als auch eine eigene, orthodoxe Kirche, die dem heiligen Nikolaus von Myra, dem Wundertäter geweiht ist, in Oslo errichtet werden. Sie untersteht seit der Zeit ihrer Gründung dem Exarchat des Ökumenischen Patriarchen für die russischen orthodoxen Gemeinden in Westeuropa, dem heutigen Exarchat für die orthodoxen Gemeinden russischer Tradition mit Sitz in Paris. Sie war die erste und lange Zeit einzige orthodoxe Gemeinde in Norwegen. Obwohl immer der russischen Tradition der Orthodoxie verpflichtet, wurden die Gottesdienste in der Nikolauskirche stets in kirchenslawischer und norwegischer Sprache zelebriert. Dies entspricht auch der offenen und missionarischen Ausrichtung dieser Gemeinde. So kam es dort auch seit den 1960er und 1970er Jahren zu ersten Konversionen autochtoner Norweger zur Orthodoxie.

 

Innenansicht der orthodoxen Kirche des heiligen Nikolaus von Myra, des Wundertäters, in Oslo.
Innenansicht der orthodoxen Kirche des heiligen Nikolaus von Myra, des Wundertäters, in Oslo.

 

Zum Klerus des Exarchates für die orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa gehören derzeit in Norwegen drei Priester und ein Mönchsdiakon. Zwei der Priester leben in Großraum von Oslo und einer in Greipstad in der Provinz Songdalen in der nähe der Stadt Kristiansand. Darüber hinaus gibt es Missionsgemeinden oder kleine eucharistische Gemeinschaften in Bergen und Stavanger. Darüber hinaus existieren orthodoxe Kapellen in Bygstad und am Fluss Neiden (Sankt Georgs Kapelle) in der norwegischen Finmark. Hierzu kommt noch eine kleine Skite, die dem heiligen Tryphon von Pechenga geweiht ist mit zwei Mönchen.

 

Innenansicht der Maria Verkündigungskirche in Bergen.
Innenansicht der Maria Verkündigungskirche in Bergen.
Erzbischof Gabriel während der Göttlichen Liturgie in der Kirche der heiligen Neomärtyrerin Elisabeth in Stavanger.
Erzbischof Gabriel während der Göttlichen Liturgie in der Kirche der heiligen Neomärtyrerin Elisabeth in Stavanger.
Vater Johannes und die orthodoxe Gemeinde nach dem Gottesdienst in Løddingen (Mittelnorwegen).
Vater Johannes und die orthodoxe Gemeinde nach dem Gottesdienst in Løddingen (Mittelnorwegen).

 

Seit den 1960er und 1970er Jahren kam es infolge der Einwanderung griechischer Arbeitsmigranten zu einen deutlichen Anwachsen der orthodoxen Bevölkerung Norwegens. Seit 1990 ist die Orthodoxe Kirche in Norwegen durch Einwanderung von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion, Ex-Jugoslawien und anderen Ländern ost- und Südosteuropas weiter gewachsen. Nach den griechischen wurden nun auch orthodoxe Gemeinden serbischer, bulgarischer und rumänischer Tradition gegründet. Sie unterstehen der Juridiktion der Kirchen in ihren jeweiligen Herkunftsländern. Auch das Moskauer Patriarchat ist seit 1996 mit der Gemeinde der heiligen apostelgleichen Fürstin Olga in Oslo präsent. Seitdem haben sich Gemeinden von russischsprachigen Zuwanderern aus den Staaten der GUS in Stavanger, Bergen, Trontheim, Tromsø und Kirkenes gebildet, die von Priestern aus Russland betreut werden.

Die griechische orthodoxe Maria-Verkündigungskirche in Oslo wurde 1965 gegründet. Sie untersteht Metropolitan Pavlos Menevissoglou of "Sweden and all of Scandinavia", and is based in Stockholm. Die göttliche Liturgie wird etwa einmal im Monat in Oslo in g
Die griechische orthodoxe Maria-Verkündigungskirche in Oslo wurde 1965 gegründet. Sie untersteht Metropolitan Pavlos Menevissoglou of "Sweden and all of Scandinavia", and is based in Stockholm. Die göttliche Liturgie wird etwa einmal im Monat in Oslo in g

 

Die Skite des heiligen Triphon in Hurdal

 

Die etwa 1,5 Autostunden nördlich von Oslo gelegene Skite des heiligen Triphon ist das einzige orthodoxe Kloster in Norwegen. Sie ist dem heiligen Triphon von Pechenega (Petsamo) geweiht, der das Evangelium im 16. Jahrhundert unten den Skolt-Samen auch in den Regionen der Finmark, die später zu Norwegen gehören sollten, verkündete und 1565 orthodoxe Kapellen in Boris-Gleb und Neiden errichtete. In der 1980 gegründeten, und seit 1999 in Hurdal beheimateten, Skite leben neben Archimandrit Johannes (Johansen), der seine theologische Ausbildung am Insitut Saint-Serge in Paris erhalten hat, noch ein weiter Mönch. Das Anwesen der Skite umfasst neben dem Hauptgebäude für die Mönche auch zwei Gästehäuser für Pilger und die Klosterkirche. Vater Johannes betreut neben seiner Aufgabe als Igumen der Skite auch als Gemeindepriester die Kirche des heiligen Nikolaus in Oslo und verschiedene Gottesdienstorte in ganz Norwegen. Die Gottesdienste in der serbischen Vorbildern vom Kosovo nachempfundenen Klosterkirche werden in norwegischer Sprache zelebriert. Seit 1976 gibt die Skite die Kirchenzeitung „Orthodox Røst“ (Orthodoxe Stimme) heraus und betreibt mit Holy Trifon Publishing einen eigenen Verlag, der eine Reihe von missionarischen und am orthodoxen geistlichen Leben ausgerichteten Publikationen herausgebracht hat. Da sich die Bruderschaft der Skite der hesychastischen Frömmigkeit verpflichtet weiß, wendet sie sich mit der Zeitschrift „Tabor“ an eine, am monastischen Leben und der dort praktizierten Spiritualität, interessierte Leserschaft. Aus diesem Grunde sind auch Pilger, die am Rhythmus der klösterlichen Gottesdienste teilnehmen und eine vom Gebet und der Stille geprägte Atmosphäre zu respektieren bereit sind, in der Skite stets willkommen. Natürlich ist wegen der seelsorgerlichen Verpflichtungen der Bruderschaft in der Gemeinde in Oslo eine vorherige Absprache unbedingt erforderlich. Neben der verlegerischen Tätigkeit werden in der Skite Kerzen für den kirchlichen Gebrauch und Ikonenreproduktionen hergestellt.

Außenansicht der Klosterkirche in Hurdal.
Außenansicht der Klosterkirche in Hurdal.
Göttliche Liturgie mit Erzbischof Gabriel in Hurdal.
Göttliche Liturgie mit Erzbischof Gabriel in Hurdal.

 

Einige Adressen in Norwegen:

Exarchat für die orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Norwegen:

Hl. Nikolai Kirke: Tvetenveien 13, Helsfyr, Oslo
Göttliche Liturgiein Kirchenslawisch und Norwegisch jeden Sonntag um 11.00 Uhr. Am ersten sonntag eines Monats Liturgie in Norwegisch. Postanschrift: P.O. box 9162 Grønland, 0134 Oslo, Norway Internetseite: http://www.ortodoks.com/

Hl. Trifon Skita: Skabland, Hurdal, 2090, Akershus, Norway

Telephon:63 98 96 80

Archimandrit Johannes e-mail: fader.johannes@ortodoks.org

Internetseite:http://www.ortodoks.org/Hellige_Trifon_Skita/Velkommen.html

 

Oslo Griechische Orthodoxe Kirche in Oslo:

Det Greske Orthodokse Samfunn i Norge.
Thor Olsens gate 9
0177 Oslo
Telefon: 22 11 50 33
Kontakt: Kiriaki Papadopoulou Samuelsen
Tel: 97624935
e-post: kiriasa@hotmail.com

 

 

Der heilige Tryphon von Pechenga

 

Der heilige Triphon (russisch: Преподобный Трифон Печенгский, Finnisch: Pyhittäjä Trifon Petsamolainen) gehört zu den großen Mönchs- und Missionsheiligen Kareliens. Er verkündete das heilige Evangelium auf der Kola-Halbinsel und in der Finmark Lapplands und gründete das Kloster der Heiligsten Dreieinigkeit in Petsamo (Pechenega). Der heilige Tryphon, mit dem Taufnamen Mitrophan wurde 1495 in einer Priesterfamilie in Torzhok (Торжо́к) in Zentralrußland geboren. Schon früh fühlte er das Verlangen, Gott in einem eremitischen Leben zu dienen. So zog er als Laie nordwärts an den Pechenega Fluß um den christlichen Glauben unter den dortigen, noch heidnischen Sami zu verkünden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und feindseligem Verhalten, das sich auch in körperlicher Gewalt äußerte, konnte Mitrophan seine Position im Norden dadurch verbessern, daß er den Mönch Theodoret aus dem Solowetzkij Kloster am Weißen Meer als Mitstreiter bei der Missionsarbeit gewinnen konnte. Von großem Vorteil für das Fortschreiten der missionsarbeit war, daß Theodoret die Sprache der Sami beherrschte. Mit dem Segen von Erzbischof Macarius of Novgorod baute er im Gebiet der Sami eine Kirche, die der allerheiligsten Dreieinigkeit geweiht werden sollte. Im Jahre 1533 kam dann der Mönchspriester Elias in den Norden um die Kirche zu weihen. Gleichzeitig weihte er Mitrophan unter dem Namen Triphon zum Mönch.

Der heilige Triphon wurde später Abt des Klosters der allerheiligsten Dreieinigkeit an Fluß Pechenega, daß sich rund um die Kirche bildete. Von diesem Kloster aus verbreitete sich der Christliche Orthodoxe Glaube unter den Bewohnern des Nordens. Im Alter von 88 Jahren verstarb der heilige Tryphon, nachdem er sich über 60 Jahre lang unermütlich um die Erleuchtung des Sami-Volkes durch den christlichen Glauben gekümmert hatte. Sein Gedächtnis wird am 15. Dezember und am Tag der Synaxis aller Erleuchter Kareliens begangen, der am Samstag zwischen dem letzten Tag im Oktober und dem 6. November begangen wird.