Die orthodoxe Maria-Schutz-Gemeinde

 

in Kongens Lyngby bei Kopenhagen

 

von Thomas Zmija-Horjanyj

 

Das frühe Mittelalter, genauer gesagt der Zeitraum des 9. und 10. Jahrhunderts war für Dänemark, wie für ganz Skandinavien, eine Zeit, die große Veränderungen mit sich brachte. Das in Kontinentaleuropa bereits etablierte Christentum begann sich auch auf die skandinavische Halbinsel auszubreiten. Damit einher gingen nicht nur die religiösen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Heiden, vielmehr begünstigte das Christentum ebenfalls den Wandel, bzw. die Herausbildung neuer politischer Strukturen. So gingen mit der Christianisierung auch die Herausbildung der nordischen Königreiche Schweden, Norwegen und Dänemark einher.

Doch auch für die Missionierenden war ihr Einsatz mit Neuerungen verbunden. Bisher konnte die Kirche schließlich oftmals auf den Überresten der römischen Kirche aufbauen, bzw. mediterrane Verhältnisse auf die neuen kirchlichen Gründungen übertragen. Doch die Mission im Norden führte die Missionare über die Grenzen der ihnen bekannten Welt hinweg, sie kamen in ihnen unbekannte, unwirtliche Länder, sie verstanden die Sprache der Menschen nicht und hatten auch keine Unterstützung durch Glaubensbrüder. So führte der Weg zur erfolgreichen Mission oftmals über die Höfe der Herrschenden. Deshalb ist die Missionierungsgeschichte Skandinaviens stark von unterschiedlichen Auffassungen vom Wesen der der Mission geprägt: der weitestgehend friedlichen Wortmission der Prediger steht die gewaltsame Unterwerfung der Heiden im Interesse der Fürsten gegenüber.

Die politische und religiöse Situation Skandinaviens im frühen Mittelalter bildete einen starken Kontrast zu der Welt, die die christlichen Missionare gewöhnt waren: hatten sich auf dem europäischen Festland bereits größere christliche Reiche etabliert, die sich in der Nachfolge des christlichen Roms sahen, gab es solcherlei Gebilde im Norden noch nicht. Zwar begannen sich die Skandinavier als Dänen, Schweden oder Norweger zu sehen, doch hatten sie als solche keinen einzelnen Herrscher, wie es beispielsweise die fränkischen Könige waren. Stattdessen verteilte sich die Herrschaft auf mehrere Teilkönigtümer, bzw. auf lokale Fürsten- oder Jarltümer. Dies führte oftmals dazu, dass Prediger je nach Region und somit je nach religiöser Haltung des örtlichen Fürsten willkommen geheißen wurden, während sie andernorts schnell wieder verjagt wurden. So konnte sich das Christentum auch im entstehenden Dänemark trotz intensiver Handelsbeziehungen mit dem übrigen Europa zunächst nicht durchsetzen. Ab dem Jahre 812 begannen dann systematische Reisen fränkischer Missionare nach Dänemark. Mit König Harald Klak wurde in Mainz im Jahre 826 der erste dänische Herrscher getauft. Seit 834 war das neugegründete Erzbistum Hamburg für die Christianisierung Skandinaviens zuständig, das unter dem Episkopat des heiligen Ansgar im Jahre 847 mit dem Bistum Bremen zusammengelegt wurde.

Reliquie des heiligen Ansgar in der Sankt-Marien-Domkirche in Hamburg.
Reliquie des heiligen Ansgar in der Sankt-Marien-Domkirche in Hamburg.

 

Nach und nach schlossen sich immer mehr Dänen den christlichen Gemeinden an. Dabei kam es Anfangs zu sykretischen Glaubensformen, denn die meisten Neugetauften wollten den christlichen Glauben in ihr angestammtes Brauchtum integrieren. Als unter Kaiser Otto dem Großen 948 die dänischen Missionsbistümer Schleswig, Ribe und Arhus dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstellt wurden, schritt die Christianisierung zügig fort. Auch lernten viele Dänen das Christentum durch nach England ausgewanderte Verwandte näher kennen und schlossen sich ihm an. Unter König Harald Blauzahn, der 965 getauft wurde, machte das Christentum große Fortschritte und es wurden viele Kirchen gebaut. Sein Sohn Sven Gabelbart und dessen Sohn Knud der Große trieben die Christianisierung dann zielstrebig voran. Auch kämpften sie für eine Unabhängigkeit der jungen dänischen Kirche vom fränkischen Erzbistum Hamburg, was mit der Errichtung des Erzbistums Lund im Jahre 1104 erreicht wurde. In den folgenden Jahren setzte sich der christliche Glaube in Dänemark endgültig durch und das Land wurde schnell zu einem festen Bestandteil des christlichen Europas. Wie in anderen skandinavischen Ländern ist auch in Dänemark seit dem 16. Jahrhundert der Protestantismus bestimmend. Unter König Christian III., einem überzeugten Lutheraner, wurde die Reformation in Dänemark, Norwegen und Island ein geführt. Im Jahre 1536 ließ der König die katholischen Bischöfe in Dänemark verhaften, um den Widerstand gegen die Reformation zu brechen und durch Enteignung auf das kirchliche Vermögens zugreifen zu können. Nach der Einführung des lutherischen Bekenntnisses und einer, im Gegensatz zu Schweden bischofslosen, Kirchenordnung durch den Reformator Johannes Bugenhagen war die Ausübung des Katholizismus streng verboten. Erst 1843 wurde dieses Verbot aufgehoben. Seit 1851 haben alle Einwohner Dänemarks das Recht, ihre Religion frei zu wählen und auszuüben. Jedoch gehören 81% der Bevölkerung zur staatlich verankerten evangelisch-lutherischen Volkskirche (Folkekirken), die im Gegensatz zur evangelischen Kirche in Deutschland viele Traditionen und Zeremonien aus der katholischen Zeit beibehalten hat. Die dänische Volkskirche ist die einzige Glaubensgemeinschaft, die vom Staat unterstützt wird. Die Leitung liegt in den Händen des Parlamentes (Folketings) als der gesetzgebenden Instanz. Oberhaupt der Kirche ist die dänische Königin, höchste administrative Instanz ist der Kirchenminister. Die Katholiken machen 0,6% der Bevölkerung aus und sind im Bistum von Kopenhagen organisiert.

 

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts kamen mit der russisch-kaiserlichen Gesandtschaft am dänischen Hof erstmals orthodoxe Christen nach Dänemark. Für die orthodoxen Gottesdienste in Kopenhagen wurde eine kleine Kapelle zuerst in der Laksegade-Strasse und später in der Store Kongensgade-Strasse eingerichtet. Als die dänische Prinzessin Dagmar im Jahre 1866 den späteren Zaren Alexander III. heiratete, wurde der Bau einer repräsentativen russischen Kirche in Kopenhagen beschlossen. So wurde in den Jahren zwischen 1881 und 1883 die Kirche des heiligen Alexander von der Newa in der Nähe des Kopenhagener Königsschlosses errichtet. Nach der russischen Revolution ließen sich auch eine kleinere Anzahl russischer Emigranten in Kopenhagen nieder, zumal die Mutter des letzten Zaren, Prinzessin Dagmar, nach ihrer Ausreise aus Russland wieder in Kopenhagen lebte. So bildete sich eine kleine russische Pfarrgemeinde zu der sich auch orthodoxe Gläubige nichtrussischer und dänischer Herkunft gesellten. Bis in die 1970er und 1980er Jahre bewegte die Gemeinde ein, zum Teil bitter ausgetragener Streit, ob man dem Exarchat der Russischen Orthodoxen Gemeinden in Westeuropa oder der Russischen Auslandskirche unterstehen sollte. Daneben bemühten sich der russische Staat und das Moskauer Patriarchat, Zugriff auf das Kirchengebäude zu erlangen. Heute dient die Kirche des heiligen Alexander von der Newa einer Gemeinde der russischen Auslandskirche als Gotteshaus. Seit den 1960er bis 1980er Jahren wanderten im Zuge der Arbeitsmigration orthodoxe Christen aus Südosteuropa und dem Nahen Osten und seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa nun verstärkt auch Gläubige aus osteuropäischen Ländern nach Dänemark ein.

 

 

Kongens Lyngby (in Straßenkarten auch als Kgs. Lyngby zu finden) ist eine Kleinstadt im nördlichen Umland von Kopenhagen. Dort befindet sich die orthodoxe Hauskirche zu Ehren des Schutzfestes der allheiligen Gottesgebärerin Maria. Sie wurde im Jahre 2002 als Filialgemeinde der Kirche des heiligen Nikolaus in Oslo gegründet. Seit 2005 hat sie in Vater Poul (Sebbelov) einen eigenen Gemeindepriester. Ihm zur Seite stehen die Diakone Vater Lazarus (Christensen) und Vater Irakli (Tsakadze). Die kleine Gemeinde ist bestrebt, die Göttliche Liturgie regelmäßig an den Sonntagen und allen orthodoxen Kirchenfesten zu feiern.

 

 

Dieser geht an den Vorabenden in der Regel der Vespergottesdienst voraus. Die Gottesdienstzeiten sind in dänischer und englischer Sprache auf der Internetseite der Gemeinde zu erfahren. Da die Gemeinde Gläubige aus vielen Ländern und Sprachen vereinigt, wird der Gottesdienst überwiegend in dänischer Sprache gehalten. Es gibt ebenfalls eine kleine Filialgemeinde in Århus auf Jytland. Mit Frau Nana Quparadze gehört auch eine Ikonenmalerin, die aus Georgien stammt, zur Maria-Schutz-Gemeinde. Beispiele ihrer Ikonen in georgischen Stil können auf der Internetseite der Gemeinde (http://ortodoks.dk) betrachtet werden.

 

Maria-Schutz-Gemeinde

(Gudsmoders Beskyttelse Kirka)

Blomstervænget 10,

2800 Kgs Lyngby

 

Priester Poul Sebbelov:
Tel: 38 87 36 96
E-mail: forstander@ortodoks.dk

Diakon Lazarus Kold Christensen:
Mobil: 23 42 70 82
E-mail: diakon@ortodoks.dk

Diakon Irakli Tsakadze
Mobil: 20 61 89 60
E-mail: diakonirakli@ortodoks.dk

 

Orthodoxe Gottesdienste in Århus

Klosterkirche unserer Lieben Frau (Klosterkirken ved Vor Frue Kirke)

Vor Frue Kirkeplads 2

Århus

Auskunft: Robert Johannes Ulrich (Mobil: 26 66 91 12)

 

Gemeindepriester Vater Poul Sebbelov
Gemeindepriester Vater Poul Sebbelov
Gemeindetee nach dem Gottesdienst
Gemeindetee nach dem Gottesdienst